Von Handy-Vorläufern und Selfie-Sticks

  • SYMPOSIUM Referenten in der Phantastischen Bibliothek blicken auf literarische und filmische Visionen
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    Wetzlar Als Jules Verne im 19. Jahrhundert die Romane „Von der Erde zum Mond“ und „Reise um den Mond“ schrieb, ahnte der Franzose nicht, dass seine literarische Vision einmal Realität wird.


    Mit solchen Beispielen beschäftigten sich 50 Teilnehmer des Symposiums „Tage der Phantastik“ in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar. Dabei ging es auch um technische Neuerungen, die Bestehendes verdrängen.


    Wie Klaudia Seibel eingangs erläuterte, sollte das Symposium beispielhaft für die Arbeitsweise des Projektes „Future Life“ stehen. Hierbei wertet ein Mitarbeiterteam unter der Leitung von Thomas Le Blanc Ideen aus dem Science-Fiction-Bereich aus, die in die Tat umgesetzt werden können.


    Wie Visionen Realität werden, wurde beim Vortrag von Prof. Dr. Ingo Jeromin (Darmstadt) klar. Er erklärte, welche Veränderungen die Nuklearkatastrophe von Fukushima (2011) hatte: In Deutschland wurde die Energiewende eingeleitet, die den stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie brachte. Die Anzahl an Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen erhöhe sich ständig. „Erneuerbare Energien drängen die konventionellen Kraftwerke aus dem Markt“, so Jeromin.


    Prof. Dr. Gerd Küveler (Hochschule RheinMain, Rüsselsheim) beschäftigte sich mit der Frage nach „Tops und Flops in der utopischen Literatur“. Hatte Jules Verne etwa mit seinen Prognosen recht? In „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meeresspiegel“ (1870) berichtete der Schriftsteller von Techniken, die es nur wenige Jahre später gab: U-Boote mit elektrischem Antrieb, vollautomatische Gewehre und elektrische Uhren. Aber der Franzose habe sich auch geirrt: In „Der Herr der Welt“ (1904) beschreibt Verne ein Universalfahrzeug, das gleichzeitig U-Boot, Auto und Flugzeug ist. Küveler stieß bei seinen Recherchen auch auf manche Kuriosität, wie ein Margarine-Sammelbild aus den 1920er-Jahren: Zwei Frauen telefonieren mit Handy-ähnlichen Apparaten, die das Live-Bild der Gesprächspartner zeigen.


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    „Virtuelle Welten in Filmen“ waren das Thema von Dr. Johannes Pause (Dresden). In seinen Beispielen ging es darum, in unwirkliche Welten oder die Gedanken anderer Menschen einzutauchen. Der Science-Fiction-Autor Ralf Boldt hatte recherchiert, inwieweit sich Verfasser von utopischen Romanen mit Ökonomie beschäftigen: Laut ihm prognostizierte Aldous Huxley eine konsumorientierte Welt, in der „neu kaufen besser als reparieren ist“.


    Mit viel Interesse verfolgten die Zuhörer den Beitrag von Dr. Kenneth Hanshew (Regensburg), der über die slavische Science Fiction berichtete. So habe bereits der Tscheche Karel Pleska 1881 eine Reise zum Mond. Mit beheizten Bussen und pneumatischen Reifen geschildert. Der polnische Autor Janusz Zajdel sagte ein Jahr später eine Zukunft voraus, in der Datendiebstahl beim Gebrauch von Kreditkarten normal ist. Im 1969 gedrehten tschechischen Film „Ich habe Einstein getötet, meine Herren“ ist gar ein „Selfie-Stick“ zu sehen.


    Jules Verne schreibt frühzeitig über vollautomatisierte Gewehre und elektrische Uhren


    Das Symposium, das Maren Bonacker, Klaudia Seibel und Laura Zinn moderierten, rundete ein Bericht von Dr. Simone Kimpeler über ihre Arbeit am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ab. Thomas Le Blanc las noch zwei Kurzgeschichten: eine eigene über bettelnde Roboter und eine von Rainer Schorm. Darin wurde ein Quantencomputer entwickelt, mit dem jeder alles über andere wissen kann. Allerdings macht die Erfindung die Menschen unglücklich. Nicht alle Visionen sind eben Meilensteine.


    Quelle: http://www.mittelhessen.de/lok…-Sticks-_arid,745085.html