Schwarzindien mit falscher Bergbau

  • Jules Verne hat seinen Roman über die Kohlegruben Schottlands in ABERFOYLE angesiedelt. Aber die Geschichte hat einen Haken:


    Wenn man die Karte von Schottland betrachtet, dann liegt nördlich von Glasgow und Edinburgh das Gebiet Stirling council area, die früher, wie von Verne benannt, die Grafschaft Stirling war. Dieser Bereich war besonders im 19. Jahrhundert eine typische Bergbauregion, wobei der Abbau von Steinkohle in Stirling dominierte. In mitten der Region liegt die von Jules Verne ausgewählte Ort Aberfoyle, der schon seit Jahrhunderten eine Bergbaugeschichte hat. Aber Vernes Quellen scheinen nicht sehr detailliert gewesen zu sein, denn genau an diesem Ort wurde entgegen seiner Annahme, keine Kohle abgebaut. Dies formulierte er aber in seinen Roman Schwarzindien, indem er die ausgekohlte Grube von Aberfoyle beschrieb. Im realen Leben war dort aber der drittwichtigste Schiefer-Steinbruch von Schottland und dieser hatte von der Qualität her den hochwertigsten schottischen Schiefer. Man konnte ihn seit dem 18. Jahrhundert in fast jeder schottischen Stadt oder in reicheren Dörfern auf den vielen Schieferfliesen-Dächern sehen.


    Anfangs vereinzelt abgebaut, wurde der Aberfoyle Schieferbruch ab Anfang des 19. Jahrhunderts industriell ausgebeutet und bewirtschaftet. Der Steinbruch befand sich in einem abgelegenen, schwer zugänglichen Ort der Grafschaft. Dadurch mussten die Männer die im Steinbruch arbeiteten, auch dort wohnen. Dies geschah in der Anfangszeit in hölzernen Häusern oder einfachen Cottages aus Stein. Siehe dazu das Bild im Anhang: Ein altes Haus im kleinen Highlanddorf Aberfoyle auf einer Postkarte um 1910. Wie zu sehen, konnten sich die Bergarbeiter nicht mal den eigenen Schiefer als Dachbedeckung leisten. Ab 1890 hatte die Firma Aberfoyle Slate mehrere Häuserreihen gebaut, in denen die Bergleute mit ihren Familien leben konnten. Heute ist dieser Ort eine Kleinstadt und die Häuser sind als Aberfoyle cottaries unter Touristen bekannt. Der Abbau von Schiefer wurde im frühen 20. Jahrhundert eingestellt. Heutzutage kauft man in Schottland für Schieferdeckungen oder Reparaturen den Schiefer aus China.


    DIese Hintergrundinfo hab ich bei der Suche nach weiteren Details "ausgebuddelt".

  • Verne hatte ja immer ausreichend recherchiert. Das er sich in einer typischen Steinkohlebergbauregion gerade den falschen Ort herausgepickt hat, war einfach nur ein Flüchtigkeitsfehler. Die Aberfoyler freuen sich auch noch heute, dass ihr Ort in einem bekannten Roman "mitspielt". Dies las ich auf der Tourismusseite des Ortes. Das mit den Schieferabbau habe ich auch nur erfahren, da ich zielgerichtet immer nach realen Orten in den Romanen Vernes recherchiere. Dies ist besonders interessant, wenn man sich dann als Tourist dort auch mal aufhält.

  • Aha. Ich bin dieses Jahr an einem Verne-Ort knapp vorbeigefahren (bzw. nur im Westen davon gehalten): Yokohama. Aber viel von Foggs Yokohama hätte man sicher ohnehin nicht mehr sehen können.

  • Danke für diese interessante Info, Andreas! Schwarz-Indien gehört immer noch zu meinen Lieblingsromanen von Jules Verne. Die Info passt zum Ende des Deutschen Steinkohlenbergbaus Ende dieses Jahres. Ich komme ja aus Ibbenbüren und lebe dort, die letzte Schicht wurde hier bereits verfahren. Offizielles Ende ist der 31.12.2018.