So viel Theater war in Parchim lange nicht

  • So viel Theater war in Parchim lange nicht

    Seit zwei Jahren ist die Kulturmühle in Parchim Spielstätte des Jungen Staatstheaters

    (Foto: Jens Büttner/dpa)

    Vom Umbau des Großen Hauses des Mecklenburgischen Staatstheaters profitiert das Parchimer Publikum in den nächsten Monaten ganz besonders.

    Das Schweriner Ballett auf der Bühne der Parchimer Kulturmühle zu erleben, war für das Premierenpublikum am ersten Juliwochenende und die Besucher der beiden folgenden Vorstellungen noch etwas Besonderes. In der kommenden Spielzeit aber werden auch die anderen Sparten des Mecklenburgischen Staatstheaters öfter an der Elde zu erleben sein: Weil das Große Haus in Schwerin baubedingt monatelang geschlossen bleibt, werden Ausweichspielstätten benötigt. Die Parchimer Bühne, auf der ansonsten überwiegend das Junge Staatstheater zu erleben ist, gehört dazu.

    Fritz-Reuter-Bühne: Alle Premieren in Parchim

    Ab Herbst kommen in Parchim zum Beispiel Plattdeutsch-Begeisterte ganz besonders auf ihre Kosten. Die Fritz-Reuter-Bühne, die in der nächsten Spielzeit drei Premieren plant, wird alle Stücke zuerst in Parchim und erst danach auch in der Schweriner M*Halle zeigen. Los geht es am 10. Oktober mit dem niederdeutschen Lustspiel „De verflixte Strump“ von Hans Balzer, das 1953 in Schwerin uraufgeführt wurde und sich nun in der Regie von Philip Lüsebrink mit Leichtigkeit und musikalischen Überraschungen präsentiert. Die Schweriner Premiere ist für den 16. Oktober geplant.

    Die Hausregisseurin der Reuter-Bühne, Adelheid Müther, inszeniert gleich zwei moderne Komödien: Zunächst geht es ab dem 23. Januar (in Schwerin ab 28. Januar) in der niederdeutschen Erstaufführung von „Rup un Rünner“ auf eine Bergtour, die zum Selbstfindungstrip wird. Ab 27. März (in Schwerin ab 1. April) gerät eine Trauerfeier in „Kolle witte Mann“ komplett aus dem Ruder. Das Pastewka-Autorenduo Moritz Netenjakob und Dietmar Jacobs wirft in dem Stück einen kritischen, aber durchaus humorvollen Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen unserer Zeit.

    Junges Staatstheater greift zwei Jubiläen auf

    Aktuelle Themen und zwei anstehende Jubiläen prägen auch für das eigentliche Parchimer Ensemble die nächste Spielzeit. Dass in der Stadt – an unterschiedlichen Standorten – seit 80 Jahren Theater gespielt wird, würdigt das Junge Staatstheater mit einem Volksliederabend unter dem Titel „Es kann ja nicht immer so bleiben“. Er feiert seine Premiere im Anschluss an einen Festakt zum Theaterjubiläum am 20. September.

    Festkomitee und Festkonzert zum Stadtjubiläum

    Ein weiteres Jubiläum steht fast am Ende der kommenden Spielzeit: Die Stadt Parchim feiert ihr 800-jähriges Bestehen – und das Theater feiert mit. In einer Mehrgenerationen-Produktion werden die Theatergruppe für Erwachsene „Pütter Bretter“ und der Theaterjugendclub Alan Ayckbourns Stück „Das Festkomitee“ zur Aufführung bringen. Die Premiere ist für den 30. Mai 2026 geplant und steht damit am Anfang der Festwoche zum Stadtjubiläum. Zu den Gratulanten wird dann auch die Mecklenburgische Staatskapelle gehören, die am 3. Juni in der Kulturmühle ein Festkonzert gibt.

    König Drosselbart in Westmecklenburg angesiedelt

    Einen Bezug zu Parchim und seiner Umgebung wird auch das diesjährige Weihnachtsmärchen des Jungen Staatstheaters haben: Intendant Thomas Ott-Albrecht inszeniert„König Drosselbart“ und verlegt die Schauplätze der Geschichte der Brüder Grimm nach Westmecklenburg. Damit sich möglichst viele Familien die Vorweihnachtszeit damit verkürzen können, feiert das Stück bereits am 9. November in der Kulturmühle seine Premiere.

    Fortgesetzt werden auch die traditionellen Adventsgeschichten. Regisseurin Katja Mickan stellt sie in diesem Jahr unter das Motto „Wird’s Südfrüchte geben?“ Premiere ist am 29. November, gespielt wird auf der Probenbühne.

    „Woyzeck“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“

    Kleine und große Abenteurer und Entdecker können sich in Parchim auf „20.000 Meilen unter dem Meer“ nach Jules Verne freuen. Die spannende und aufregende Reise in die Unterwasserwelt für Zuschauer ab 8 Jahren wird ab 15. Februar 2026 den Spielplan bereichern. Ebenfalls ab 8 Jahren geeignet ist „Wutschweiger“ von Jan Sobrie und Raven Ruell: Die Geschichte der Freunde Sammy und Ebenizer, die nicht mit zur Klassenfahrt dürfen, weil ihre Eltern sie nicht bezahlen können, wird ab 11. April auf der Probenbühne zu erleben sein.

    Mit der Inszenierung von Georg Büchners Fragment „Woyzeck“ bietet das Junge Staatstheater Parchim außerdem ein unterrichtsbegleitendes Projekt und gleichzeitig einen Klassiker für das Abendprogramm an.

    Quelle: https://www.nordkurier.de/regional/parch…e-nicht-3729376