- Official Post
Gemeinsame Ausstellung in Düsseldorf
Raketenforschung mit Emil Schult und Alexander Kluge
Kriegswaffe und Fortschrittssymbol: Die großen Künstler und Denker zeigen Arbeiten im Projektraum des DFI. Eine anregende Ausstellung, die sogar ins Spirituelle ausgreift.
11.07.2025 , 11:09 Uhr
![]()
„Rocketship“ von Emil Schult aus dem Jahr 2016. Foto: Emil Schult
Von Helga Meister
Emil Schult (78) ist Maler, Poet und Musiker sowie Schöpfer der Kapelle in der Robert-Schumann-Hochschule. Ein Allround-Künstler. Er hat bei Joseph Beuys und Dieter Roth studiert, stand in den frühen 1970er-Jahren mit Ralf Hütter und Florian Schneider von Kraftwerk auf der Bühne, schuf Plattencover und arbeitete mit der Band an Songtexten wie „Das Model“ und „Autobahn“. Nun präsentiert Moritz Wegwerth, der Motor des Deutschen Fotoinstituts, seine Raketenbilder und kombiniert sie mit utopischen Videos des Filmemachers Alexander Kluge in den DFI-Räumen am Eiskellerberg 1.
Schults frühe Weltraumfotos, die er als 18-jähriger Austauschschüler in Amerika aufnahm, waren bisher unbekannt. Sein einjähriger Aufenthalt in den Staaten habe sein Leben verändert, sagt er im Gespräch. Er durfte bei großen Chemiekonzernen, bei Kodak, in der NASA und in der Produktionsstätte des Spiegelteleskop-Herstellers Corning den Technikern über die Schulter schauen. Anschließend machte er in Düsseldorf das Abitur und ging 1979 abermals in die USA, um Computermusik am Stanford Artificial Intelligence Laboratory der Stanford University in Kalifornien zu studieren.
QuoteINFO Die Ausstellung ist bis 23. August zu sehen
Ort Im Projektbüro DFI, Eiskellerberg 1, läuft die Ausstellung bis 23. August. Geöffnet: samstags 13 bis 19 Uhr und auf Anfrage unter info@towards.photography.
Ausstellung Zu sehen sind Raketenbilder und Hinterglasbilder von Emil Schult sowie Videos und bewegte Bilder von Alexander Kluge und Sarah Morris.
Katalog Kurator Max Dax hat unter dem Motto „In unseren Träumen reisen wir in keiner Zeit“ ein Brevier mit Abbildungen und Interviews herausgegeben. Kosten: 15 Euro.
Neben einem selbst gebastelten Modell einer Rakete liegen auf einem Leuchttisch seine Dias von einer Jubelparade mit den Gemini-Astronauten in Chicago. An der Wand hängen originale NASA-Aufnahmen, Hinterglasbilder von Platinen und ein Miniatur-Webb-Spiegel. Er bringt auch eine Botschaft mit, die sich in einem Büchlein zur Ausstellung nachlesen lässt. Er sieht nämlich in der Rakete nicht nur die grauenvolle Kriegswaffe, sondern eine utopische, vom menschlichen Fortschrittsglauben geprägte Weltvorstellung.
Der ehemalige Akademiestudent zitiert seinen Lehrer Beuys, der auf die Frage, ob er auch einmal den Mond betreten wolle, geantwortet hat: „Da war ich bereits.“ Für Schult ist diese Antwort ein Aufruf an die Vorstellungskraft. Er stellt sich „spirituelle Raketen“ vor und behauptet: „Das James-Webb-Teleskop liefert uns Bilder vom Universum, die den Strukturen des menschlichen Gehirns in der Nanovergrößerung fast gleichen, so dass man meinen könnte, das Universum sei auch nur ein Gehirn, wenn auch eines, das unsere Vorstellungskraft übersteigt. Wir müssen lernen, mit dieser Erkenntnis umzugehen und uns nicht nur auf Hardware-Lösungen konzentrieren.“
Nun ist Emil Schult ein spiritueller Mensch, wie er im Andachtsraum der Musikhochschule bewiesen hat. Er hofft auf eine „metaphysischere, spirituellere Zeit“. Er glaubt an die Schallwellen der Musik, die immateriell und unsichtbar sind. Es habe einen Grund, warum die Kunst des Glockengießens im Mittelalter so geachtet war. Die Frequenzen der Glocken hätten die Menschen vereint. Der Gang in die Kirche, die Kirchenglocke, die Orgel - all das waren „Prozesse der Heilung“. Heute aber würden wir uns den Streams von Spotify aussetzen, die das Gehirn „vermatschen“. Wir hätten versäumt, uns mit Dingen wie der Lichtgeschwindigkeit oder der Ewigkeit zu beschäftigen, die auf keinem Lehrplan stehen.
Zur Ausstellung war ursprünglich auch Alexander Kluge (93) eingeladen, der wegen zweier gebrochener Rippen nicht mehr reist. Dieser unabhängige Geist, wunderbare Geschichtenerzähler und mehrfach preisgekrönte Filmemacher schickte seine fantastischen Kurzfilme und bewegten Bilder, die die Rakete zum Thema haben. Es sind Jules-Verne-Reisen auf den Mond oder in tiefste Tiefen der Ozeane, fliegende Untertassen der Gegenwart. Sie entspringen allen digitalen Möglichkeiten und sind voller Humor, wenn die Hündin Laika auf Nimmerwiedersehen im Orbit verschwindet und als steinerne Skulptur auf einem Sockel in der Sowjetunion ihre Auferstehung feiert.
Alexander Kluge widmet der Katze in Kooperation mit Sarah Morris einen ganzen Film: Weil dieses kluge Tier gut navigiert und ideal im Weltall zurechtkommt, wäre sie nicht zu stolz, um Befehle zu empfangen. Der Künstler sieht in der Rakete den „Durchbrecher ins Unwirkliche“. Er behauptet in „Evacuation Earth“, ein Jupitermond könne mit seiner Eisdecke der Luftschutzbunker der zukünftigen Menschheit sein. Die Suche nach dem Notausgang und die Sphärenmusik des Planeten Uranus fallen bei ihm zusammen. Ufos schweben in seinen Filmen durch kosmische Landschaften, Erdkrusten wachsen über dunkelvioletten Ozeanen, aber immer wieder geistert die Frage im Raum, was geschieht, wenn die Erde unbewohnbar wird.
Nun ist Kluge nicht nur Poet, sondern auch Forscher, der mit der Max-Planck-Gesellschaft und dem Institut für Astrophysik in München eng zusammenarbeitet, die sich mit dem Leben im Weltall befassen. „Mit diesen Erwartungen und Hoffnungen spiele ich, wie ein Kind mit der Welt spielt“, sagt er.