Übernachten bei Sherlock Holmes in Luxemburg

  • Übernachten bei Sherlock Holmes in Luxemburg

    Das Schloss von Clémency

    Stephanie Prochnow 07.07.2025 | 06:00 Uhr

    Ein Tapetenwechsel – im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist eine Übernachtung in diesem kleinen Schloss aus dem 17. Jahrhundert. Einst war es wohl das Herz des luxemburgischen Örtchens Clémency oder – auf Luxemburgisch – Kënzeg.

    Das lässt sich noch heute gut erkennen, so wie es abseits der Durchgangsstraße im Zentrum eines winzigen Platzes liegt, direkt neben der Kirche, umgeben von alten, restaurierten Bauernhäusern.

    Auch das Schlösschen von Clémency ist mittlerweile restauriert und birgt vier Gästezimmer und ein Loft unterm Dach. Doch innen sieht es nicht so aus, wie man es von außen vermuten würde – also so (fast) gar nicht „schlossig“. Ähnlich, wie sein Besitzer, Pascal Zimmer, zwar auf den ersten Blick wie ein eleganter Schlossherr erscheint, aber dennoch einen ganz anderen Hintergrund hat.

    Ein altes Schloss in Luxemburg

    Aber beginnen wir beim Anfang dieser Geschichte, die sich in den frühen 2000er Jahren abspielte. Damals war das Schloss runtergekommen, baufällig und komplett zugemüllt. Es stand schon länger leer und sollte verkauft werden, deshalb wurde Pascal Zimmer beauftragt, eine Expertise zu erstellen.

    Er ist Inhaber einer kleinen Baufirma, die sich auf die Instandsetzung historischer Gebäude spezialisiert hat. Denn es war nicht klar, ob das Gebäude überhaupt noch zu retten wäre. Sei es – so sein Urteil, woraufhin er gefragt wurde, ob er nicht das kleine Schloss kaufen wolle. „Da habe ich dann zugeschlagen“, erzählt er, denn „gerade in Luxemburg ist es selten, dass man ein Schloss privat erwerben kann.“

    Was er damit anfangen wollte, das war ihm damals noch nicht klar. Nach der Renovierung nutzte er es eine Zeit lang für seine Büros, überlegte, es wieder zu verkaufen und kam dann 2019 auf die Idee, hier Gästezimmer zu thematisch unterschiedlichen Epochen einzurichten. So rutschte er eher zufällig in die Tourismus-Branche.

    Türglocke mit Kette

    Innen an der Eingangstür hängt noch die alte Türglocke, die bimmelt, wenn jemand draußen an der Kette zieht. Tritt man ein, befindet man sich erstaunlicherweise in einem schmalen Flur, mit moderner schwarzer Verkleidung, hinter der sich neueste Lichttechnik verbirgt.

    Links vom Eingang liegt ein Aufenthaltsraum mit langem Tisch, der von dem riesigen, modernen Gemälde einer „Geisha“ dominiert wird. Rechts befindet sich die ehemalige Küche des Schlosses, mit einigen schönen alten Elementen: Im Boden befindet sich eine mit einer Glasplatte abgedeckte Wasserstelle, daneben ein großer, alter Spühlstein und ein historischer Ofen.

    Ansonsten hat Pascal die Küche modern eingerichtet. Frühstück bietet er nicht an, aber die Gäste können ihr Essen in der Küche selber zubereiten. Tee und Kaffee stehen zur freien Verfügung und schräg gegenüber gibt es eine Bäckerei.

    Das Konzept von Pascals Gästehaus ist eine Art Luxus-Wohngemeinschaft: komfortabel, aber heimeliger als in einem Hotel. Es solle ganz natürlich sein, dass Gäste in den Gemeinschaftsräumen zusammenkommen und sich unterhalten, sagt Pascal. Er selber fühle sich an anonymen Hotelbars immer unwohl.

    Hommage an die Stahlarbeiter

    Am Ende des Flures: das erste Zimmer. Es sollte die Jahrhundertwende darstellen, wurde aber dann eher eine Interpretation dieser Epoche, da die französische Malerin Peggy Dihé die Wände sehr eigenwillig für Pascal gestaltet hat.

    Kunst findet sich auch im kleinsten Zimmer des Schoßes, das ansonsten sehr schlicht eingerichtet ist: Ein Graffito an der Wand, zeigt einen Hund mit Hacke über der Schulter vor einem Stahlwerk. Eine Hommage an die Stahlarbeiter, erklärt Pascal. Für ihn ist es das persönlichste Zimmer, denn sein Vater hatte in Südluxemburg in „De Minett“ geschafft und als kleiner Junge, habe er ihm oft das Mittagsessen vorbei gebracht, erzählt Pascal.

    Der ausgebildete Zimmermann liebt alte, authentische Gemäuer. Hier im Schloss hatte es ihm vor allem die alte, ausgetretene Steintreppe angetan, die von Kreuzgratgewölben überspannt wird. Das Schloss wurde um 1635 von örtlichen Adeligen erbaut. Nur gut dreißig Jahre danach, erzählt er, sei es wieder abgetragen und ein paar hundert Meter entfernt erneut aufgebaut worden – warum? Das wisse man nicht mehr.

    Bis ins letzte Detail geplant

    Pascal liebt es ebenfalls, Räume mit alten Objekten bis ins Details einzurichten. Im ersten Stock etwa die Sherlock Holmes-Suite. Außer dem Schlafzimmer gibt es einen Salon, der stark an den im Londoner Sherlock Holmes Museum erinnert – nur hier kann man ihn bewohnen! Pascal sagt, der Raum solle „die Besucher mit seiner Atmosphäre einhüllen.“

    Für ihn sei die spannende Frage, was Architektur oder Innenarchitektur mit dem Besucher mache. „Wie Kleidung etwas mit dir macht, wenn du einen guten, warmen Kaschmir-Pulli anhast, der wärmt dann. Ich finde, Architektur sollte das auch machen,“ erklärt der bekennende Modefan, der sich bevorzugt im englischen Stil der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts kleidet. Übrigens verkauft er diese Art Mode auch in einem kleinen Geschäft in Luxemburg Stadt.

    Womit wir bei Pascals Lieblingsepoche sind: den Roaring Twenties. Deshalb hat er auch dazu ein Zimmer im Schloss eingerichtet, mit vielen Gegenständen, die er über lange Zeit von Flohmärkten zusammengetragen hat: einem alten Truhenschrank, Fotoapparaten und Schiffsmodellen.

    Ihn fasziniere vor allem die Technikgläubigkeit der damaligen Epoche, erzählt Pascal. Eine Illusion, die sich als trügerisch herausstellt habe – zumindest beim Untergang der Titanic. Ihr hat er das Badezimmer gewidmet: Eine weiße, spitz in den Raum ragende Wand – wie ein Eisberg – und trennt Dusche, Toilette und Waschbecken voneinander. Pascal hat die Gestaltung des Raums selbst konzipiert und mit seinen Handwerkern gebaut.

    Nicht nur das Schloss von Clémency

    Anfangs hatte Pascal Zimmer eine Zeit lang selber im Schloss gewohnt und die Gäste empfangen. Bis die Niederländerin Mayke van Straalen auf der Rückreise aus dem Italien-Urlaub im Schloss übernachtet und total begeistert war. So sehr, dass Pascal ihr spontan anbot, für ihn zu arbeiten. „Er hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte“, erzählt die ehemalige Bestatterin lachend. „Und er wirft mir heute noch vor, dass ich 28 Minuten darüber nachdenken musste. Ich finde, 28 Minuten sind recht schnell, um zu entscheiden, sein ganzes Leben hinter sich zu lassen. Aber ich habe es nicht bereut.“

    Mittlerweile sind beide Geschäftspartner: Pascal renoviert alte Gebäude und richtet dort thematisch passende Gästezimmer ein – Mayke kümmert sich um die Gäste. Dafür kurvt sie täglich kreuz und quer durch Luxemburg. Denn neben dem Schloss von Cleméncy haben die beiden mittlerweile noch mehrere andere Ferienwohnungen in verschiedenen Regionen des Landes.

    Etwa im Norden Luxemburgs – in Vianden – in einer alten Schmiede. Mayke hatte das baufällige Haus von 1790 zufällig bei einem Ausflug entdeckt – und Pascal spaßeshalber vorgeschlagen, es gemeinsam zu kaufen.

    Gesagt – getan. Jetzt sind dort drei Ferienwohnungen: Im ehemaligen, verschachtelten Wohnhaus; in der alten Scheune, in die Pascal mittig eine Metalltreppe eingebaut hat, um in die oberen Etagen zu gelangen – und in der Schmiede selber. Die ist direkt in den Fels gebaut, der über die Jahrhunderte vom Feuer ganz schwarz geworden ist. Direkt daneben steht jetzt das Doppelbett.

    Eine wirklich urige, sehr spezielle Unterkunft. Wie auch das Schloss von Clémency – und wie es sicher noch weitere geben wird, an denen Pascal bereits plant und arbeitet.


    Auf einen Blick


    Kontakt:
    Château de Clémency
    Mayke van Straalen und Pascal Zimmer
    18, Rue de l’Eglise
    L-4965 Clémency
    Tel.: (00352) 691 393 737
    E-Mail: info@chateaudeclemency.lu
    https://www.chateaudeclemency.lu/de

    Öffnungszeiten:
    Ganzjährig.

    Preise:
    Die vier Doppelzimmer kosten pro Nacht zwischen 115,- € und 153,- € ohne Frühstück, ein Loft kostet 190,-€ die Nacht ohne Frühstück.

    Quelle: https://www.sr.de/sr/sr3/sr_3_ak…emency_100.html

  • Wir waren vor einigen Jahren in Etreta / Kanalküste Frankreich im „Detektivhotel“. Wir hatten das Inspektor Columbo Zimmer und neben uns war das von Sherlock. Da kann man gestalterisch viel machen. Gespeist haben wir in einem Raum, der wie 19. Jahrhundert gestaltet war. Es war ein tolles Erlebnis.

    Das Gleiche und noch eins drauf wünsche ich euch!