Musical bei Leipzig: "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" am Biedermeierstrand

  • Musical bei Leipzig: "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" am Biedermeierstrand

    Professor Lidenbrock hat ein altes Manuskript entdeckt, das den Weg zum Mittelpunkt der Erde schildert. Dem will er auf den Grund gehen und macht sich mit seinem Neffen Alexander auf den Weg nach Island, wo sie durch einen Vulkan in ein Labyrinth voller Überraschungen und Wunder steigen. Zwar kenne fast jeder den Titel "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", doch worum es in Jules Vernes Roman wirklich geht, wissen die wenigsten – das war für Christoph Zwiener der Grund, aus diesem Buch ein Musical machen zu wollen.

    Die Musik dafür schrieb sein Sohn Maximilian Zwiener. Zusammen mit dem Theaterverein Priester haben sie mehr als 60 Menschen für ein Spektakel auf die Bühne gebracht. Seit 2023 ist das Verne-Musical zu einem Publikumsmagneten geworden. 2025 wurde die Bühne auf dem Biedermeierstrand an der Schladitzer Bucht nochmal saniert: Sie bietet nun deutlich mehr Platz und auch einige neue Effekte.

    Das Musical auf der Seebühne des Biedermeierstrandes in Schkeuditz überrascht mit detailreicher Ausstattung. Bildrechte: Maximilian Zwiener

    Weitere Informationen"Die Reise zum Mittelpunkt der Erde"
    Musical nach dem Roman von Jules Verne

    Adresse:
    Biedermeierstrand
    Zum Biedermeierstrand
    04435 Schkeuditz

    Termine:
    9. August, 20 Uhr
    15. August, 20 Uhr
    16. August, 20 Uhr
    22. August, 20 Uhr
    23. August, 20 Uhr
    30. August, 20 Uhr

    Quelle: https://www.mdr.de/kultur/theater…00.html#sprung3

  • Das Musical wird offenbar auch beim Sommerfest der WOGETRA (Leipziger Wohnungsgenossenschaft) aufgeführt.

    Sommerfest 2025
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    www.wogetra.de
  • Dank einer Verkettung glücklicher Umstände konnte ich mir das Stück am Freitag (29.August) anschauen.

    Im Vorfeld war ich durchaus gespannt, wie man den doch etwas "personalarmen" Roman in ein buntes Musical mit 60 Mitwirkenden verwandeln kann. Das Stück wechselt dann auch zwischen sehr buchnahen Szenen und hinzuerfundenen Episoden hin und her. (Im ersten Teil bleibt der Roman klar erkennbar, im zweiten Teil, als es unter die Erde geht, überwiegen dann die Einschübe bis hin zu reinen Phantasie-Szenen.) So beginnt das Stück mit einer Festveranstaltung, auf der Lidenbrock von Alfred Nobel einen Ehrenpreis für seine Abhandlung über Transzendentale Kristallographie überreicht bekommt und nebenbei das Buch von Snorri Sturluson erhält. Stellenweise ist das Stück bis ins Detail nah an der Vorlage (Zum Teufel mit dem Essen und der Köchin obendrein). Graupen heißt Gretchen und hat eine deutlich aktivere Rolle als im Buch, Axel heißt Alex und bleibt recht blass. Lidenbrocks bei Verne kurz erwähnte "Wortfindungsstörungen" werden im ersten Bild recht ausgiebig verwendet (bei seiner Dankesrede für den Preis von Nobel), danach aber sehr angenehm-sparsam-dosiert eingesetzt. Insgesamt gibt der Lidenbrock-Darsteller eine sehr gute Vorstellung. Parallel zur Handlung erzählt eine Pärchen (herrische Frau und ihr devoter Ehemann) in einem Kaffee einem Herrn, der mit französischem Akzent spricht, Lidenbrocks Erlebnisse (allerdings als ihre eigenen dargestellt). Damit werden "Lücken" zwischen einzelnen Handlungsszenen überbrück und gerade diese Stellen sind sehr dicht an der Vorlage. Woher die beiden die Geschichte kennen, klärt sich zum Schluss auf. Mit der Erwartungshaltung des Publikums betreffs des französischen Herrn, der sich eifrig Notizen macht, erlaubt sich das Stück dann auch noch eine doppelte Wendung.

    Fazit: Das Stück pendelt gewissermaßen zwischen absoluter Verne-Treue und absoluter Verne-Ferne hin und her, weiß aber trotzdem über zwei Stunden hinweg gut zu unterhalten und auch für Verne-Puristen gibt es genug "Originaldetails" zu entdecken, um sich über die hinzuerfundenen Stellen hinwegzutrösten.

    Das Stück wird seit drei Saisonen am Biedermeierstrand am Schladitzer See gespielt und soll auch nächstes Jahr wieder auf dem Programm stehen. Es gibt ein Begleitbuch mit vielen Hintergründen zur Arbeit an dem Stück und eine CD mit der Musik/den Liedern.

    *

    Am Ende hatte ich auch noch meine eigene "außergewöhnliche Reise". Der Biedermeierstrand am Schladitzer See ist von Leipzig aus per S-Bahn und Bus gut zu erreichen, aber nur bis kurz nach 18.00 Uhr, per Rufbus noch bis 21 Uhr. Danach ist Ruhe. Da das Stück bis 22 Uhr ging, stand dann noch ein 5 bis 6 Kilometer langer Fußmarsch (streckenweise durch die absolute Dunkelheit auf einem Radweg am Schladitzer See) bis zum Bahnhof Rackwitz auf meinen Programm, immer mit der Angst im Nacken, nicht rechtzeitig einzutreffen und den Zug zu verpassen. (Jetzt kann ich nachvollziehen, wie sich Phileas Fogg gefühlt haben muss. ;)) Ich habe meine "Wette" aber gewonnen, sprich, ich war rechtzeitig am Bahnhof, was aber gar nicht nötig gewesen wäre, da mein Zug dann noch über 20 Minuten Verspätung hatte.