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Landesbibliothek digitalisiert Zeitungsbände
Wilhelmshavens Vergangenheit wird online zugänglich
Das historische Gedächtnis der Stadt Wilhelmshaven soll zukünftig auch digital zur Verfügung stehen. Dafür digitalisiert die Landesbibliothek Oldenburg Wilhelmshavener Tageszeitungen bis 1945. Mehr als 320.000 Seiten.
20.08.2025, 16:41 Uhr
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Treiben die Digitalisierung des Stadtarchivs in Wilhelmshaven voran: BruneMettcker-Verleger Robert Allmers (von links), Stadtarchivleiterin Dr. Wiebke Janssen, Kulturausschussvorsitzende Helga Weinstock, Dr. Kristin Langefeld (Landesbibliothek), Landesbibliotheksleiterin Corinna Roeder und Erster Stadtrat Armin Schönfelder
Wilhelmshaven - Es ist ein Mammutprojekt: In den nächsten zwei Jahren sollen über 320.000 Seiten der Wilhelmshavener Tageszeitungen, darunter auch die Wilhelmshavener Zeitung, digitalisiert werden. Damit geht die Landesbibliothek einen bedeutenden Schritt, um historisches Wissen zu bewahren und zugänglich zu machen. Denn die Zeitungsbände werden dann für alle frei zugänglich sein.
Recherche leicht gemacht
Stadtarchivleiterin Dr. Wiebke Janssen betrachtet diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Für uns ist es eine erhebliche Arbeitsentlastung, wenn die Zeitungsseiten künftig online zur Verfügung stehen.“ Gleichzeitig habe sie aber auch ein wenig die Sorge, den Kontakt zu den Nutzern zu verlieren, die vorher gezwungen waren, ins Archiv zu kommen. „Das sind oft sehr interessante und bereichernde Gespräche.“ Doch das lachende Auge überwiegt. Noch müssen Interessierte nach den richtigen Zeitungsbänden fragen. Ein Anruf oder eine E-Mail sind nötig, damit die Mitarbeiterinnen im Stadtarchiv die gewünschten Bände heraussuchen können. Ohne exakte Daten ist eine Recherche sehr aufwendig. Die Digitalisierung der Bände vereinfacht diesen Prozess: Dank der OCR-Erkennung (Optical Character Recognition) können die digitalisierten Seiten durchsucht werden. Nutzer können somit bequem und selbstständig auf die Zeitungsbände zugreifen. Ganz ohne aufwendige Anmeldung und manuelle Suche.
Komplexe Technik für historische Texte
Aber die Digitalisierung ist aufwendig: Band für Band, Seite für Seite werden in der Landesbibliothek eingescannt. Die größte Herausforderung liegt jedoch im nächsten Schritt: der OCR-Erkennung. „Nicht jede OCR-Software kann die Frakturschrift lesen“, erklärt Dr. Kristin Langefeld, Mitarbeiterin der Landesbibliothek. Zudem stelle auch das Layout die Software beim Auslesen vor Herausforderungen. Besonders Werbeseiten mit ihrer ungewöhnlichen Anordnung von Bildern und Text sind für die Software nicht ganz leicht zu verarbeiten. Daher kommen mehrere spezifische Programme zum Einsatz, um die Schwächen der einzelnen Systeme auszugleichen. Gestochen scharf präsentiert Langefeld die Titelseite des Wilhelmshavener Tageblatt auf einem Monitor und zeigt anhand einzelner Beispiele, was zukünftig möglich sein wird. Dass der französische Schriftsteller Jules Verne am 16. Juli 1881 mit einem Vergnügungsdampfer Halt in Wilhelmshaven gemacht hat, lässt sich mit nur wenigen Klicks herausfinden. Dafür gibt Langefeld nur Vor- und Nachname des Schriftstellers in die Suchmaske des Wilhelmshavener Tageblatts ein. Durch die Volltextsuche werden alle Zeitungsbände aufgelistet, in denen der Begriff „Jules Verne“ vorkommt. Kaum vorstellbar wäre diese manuelle Suche ohne konkretes Aufenthaltsdatum des Franzosen.
Noch ist Geduld gefragt
Die Landesbibliothek verfügt über einen einzigartig geschlossenen Bestand an historischen Zeitungen aus dem Nordwesten Deutschlands. Insgesamt bewahrt die Landesbibliothek rund 3500 Bände für 286 unterschiedliche Zeitungen aus der Zeit vor 1945 auf. Deshalb müssen für die Digitalisierung die Zeitungsbände aus Wilhelmshaven auch nicht alle nach Oldenburg transportiert werden. „Nur fehlende oder besser erhaltene Bände werden ausgetauscht, um die Digitalisierung zu optimieren“, erklärt Dr. Matthias Bley, Verantwortlicher für das Projekt. Heimatforscher und andere Interessierte müssen sich noch etwas gedulden: Bisher ist nur ein Teil des Wilhelmshavener Tageblatts online verfügbar. Die Bände der Wilhelmshavener Zeitung folgen nach und nach.
Digitalisierung ist Großprojekt
Mit einer Auswahl von oldenburgischen Regionalzeitungen aus den Jahren 1918/1919 startete zum Revolutionsjubiläum im Herbst 2018 die Zeitungsdigitalisierung in der Landesbibliothek Oldenburg. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts wurden von 2019 bis 2021 die Zeitungen Jeversches Wochenblatt (1791–1945) und Norddeutsches Volksblatt (1887–1933) vollständig digitalisiert. Insgesamt handelt es sich um rund 300.000 Zeitungsseiten. Die Landesbibliothek kooperiert dabei mit dem Schlossmuseum Jever, dem Niedersächsischen Landesarchiv und dem Medienhaus BruneMettcker.
Quelle: https://www.nwzonline.de/wilhelmshaven/…1755630228.html