Meine Karl-May-Sammlung

  • Meinem Vater geht es gut!

    Warum ich diesen Satz voranstelle? Nun, ich habe dem Einen oder Anderen erzählt, dass ich "eines Tages die Karl-May-Sammlung meines Vaters erben werde". Dies hat nun stattgefunden, in der letzten Woche war die Übergabe. Es handelt sich um die Ausgabe des Karl-May-Verlags Bamberg, also die bekannten kleinen grünen Ausgaben.

    Nun bin ich um ca. 90 Bücher reicher. Theoretisch habe ich einen Platz für die Bücher, doch dieser muss erst freigeräumt werden. Ich habe ja ein ambivalentes Verhältnis zu Karl May: Als Jugendlicher habe ich mit Durch die Wüste mal angefangen, habe das Buch aber nicht zu Ende gelesen. Später dann Der blaurote Methusalem, aber auch den habe ich nicht bis zum Ende geschafft. Nun werde ich Karl May erneut eine Chance geben. Denn ich habe eine ganze Reihe von Hörspielen, die mir gefallen - vielleicht bin ich ja doch Karl-May-Fan. Sobald die beiden Kisten ein Zuhause gefunden haben und ich das erste Buch gelesen habe, melde ich mich hier erneut.

  • Karl May bietet eine recht große Bandbreite, ich würde nicht unbedingt mit dem Spätwerk anfangen. Das vergrault selbst viele gestandene May-Leser. Im Unterschied zu Verne erzählt May ausschweifender und setzt mehr Dialoge ein. (Zumindest ist das mein Eindruck, und ich habe beide recht ausgiebig und oft gelesen.) Und gerade bei den großen mehrbändigen Werken (Wüste bis Schut, Winnetou, Surehand, Waldröschen (51-55) ...) muss man sich darauf einlassen, dass man die nicht wie einen "normalen" Verne-Band in zwei, drei Tagen weglesen kann.

    Vielleicht schaust du zu Beginn mal in einen der "untypischeren" kleinen Texte rein? "Der Waldschwarze" (eine Art Erzgebirgskrimi aus dem gleichnamigen Sammelband), "Wanda" (in "Schacht und Hütte", falls der dabei ist) oder in eine der kleineren Humoresken aus "Professor Vitzliputzli".

  • Viel Spaß!

    Ich habe als Jugendlicher so ziemlich alles an Karl May gelesen, was die Bamberger Ausgabe so hergab, nicht zuletzt, weil ein Nachbarssohn die Ausgabe quasi komplett hatte und ich sie ausleihen konnte. Spätestens bei den Heimat- und Erzgebirgsgeschichten fing ich an mich schwer zu tun, auch wenn bereits vorher eine gewisse "Ermüdung" eintrat, die ein Verne nie aufkommen ließ ... Der wesentliche Unterschied von May zu Verne ist das "Strickmuster" der Erzählweise, die bei May, egal worum es geht, fast immer gleich ist, während JV es auch in seinen langweiligeren Werken immer schafft nicht wirklich mit anderen Romanen identischen Erzählmustern zu variieren. May ist "durchgehend gleichförmig", Verne ist immer "variiert", selbst wenn er langweilig ist. May baut auf den Elementen "Mehr- oder weniger kurze Beschreibung der Umstände / Gegebenheiten - lange Monologe - kurze dialogische Unterbrechungen darin - kurze überleitende Beschreibungen - erneute Mono-Dialog - Szenen - kurze Erzählung-Beschreibung". Und dies Kapitel für Kapitel. Verne kann langweilig sein, aber er folgt nur seltenst einheitlichen Erzählmustern, und bietet bei genauerer Betrachtung immer neue Elemente und Aspekte, auch in eher "lahmen" Romanen - was diese dann plötzlich doch interessant machen kann.

    :seemann: :baer:

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    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • Der "Blaurote Methusalem" gehört für mich zu den wenigen May-Romanen, die ich nicht nur bis heute in meinem Bestand halte, sondern denen ich auch ein gewisses Äquivalent zu Verne zuschreibe, in diesem Fall den "Leiden eines Chinesen in China" ... Interessant wäre, warum Du gerade diesen Roman abgebrochen hast im Lesen ... Auch wenn Frühwerk, so hat er alle Elemente Mays bereits in sich, was eine Erklärung wäre... ich selber finde ihn aus verschiedensten Gründen nicht nur gut, sondern exemplarisch für seine Zeit (und die Sicht auf China zu jener Zeit) und für Mays Erzählform; und den Parallelen in der Darstellung Chinas und der Chinesen bei May und Verne, bei Deutschen und Franzosen. Mays wie Vernes China-Romane geben Aufschluss über die Sicht der Europäer (der Deutschen und der Franzosen in verblüffend ähnlicher Weise) auf China zu jener Zeit und sind beide für sich unterhaltsam wie auch spannend zu lesen. May mit den spezifischen Einschränkungen seines "Strickmusters" ...

    :seemann: :baer:

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