Theater Aachen „Der Untergang des Hauses Usher“

  • Aachenschauspiel

    ... und sonst Nichts mehr.

    Das Theater Aachen zeigt das Schauerstück „Der Untergang des Hauses Usher“ mit Texten von Edgar Allan Poe und Wilke Weermann.

    Schaurig-schönes Bühnenbild in „Der Untergang des Hauses Usher“ am Theater Aachen. Foto: Annemone Taake

    Das Zwitterhafte ist auf Eroberungstour. Kunst – ob bildende oder darstellende, Musik oder Literatur – wird hybrid. Ein gepflegtes Crossover bestimmt die neue Ästhetik, Stile und Genres werden ungeniert gemixt. So verwundert es wenig, wenn Familie Usher in einer Graphic Novel ihr Zuhause findet.
    Dieses ehrenwerte Haus beherbergt in Wilke Weermanns‘ Inszenierung nicht nur die geistig stark mitgenommenen Geschwister Madeline und Roderick Usher, sondern auch den Weltenbummler Dr. Arthur Gordon Pym, die schöne Ligeia aus der gleichnamigen Erzählung sowie das doppelte „W“ – William und Wilson – aus einem weiteren doppelbödigen Werk des Meisters. Mit dem unheilvollen Geschnatter des Raben untermalt und durch eine wilde Textmixtur aus Poe’scher und Weermann’scher Feder ausgeschmückt, geht das Haus Usher seinem Untergang entgegen.

    Doch leider verhält es sich wie bei bekannten Serienmanufakturen: Die Geschichte folgt den Effekten und wird mitunter von ihnen begraben. Lebendig, wie die arme Madeline. Die Inszenierung wirkt blutleer – was allerdings Absicht sein könnte, schließlich sprühen auch die Protagonisten nicht vor Leben. Eine leicht zombiehafte Anmutung haftet ihnen an; alles wirkt verlangsamt, als wären sie bereits tot, obwohl sie noch am Leben sind. Dieser (fast) völlige Mangel an Spannungsbögen wird der düsteren Magie Poes jedoch nicht gerecht. Zwar kommt sein Schrecken oft auf leisen Sohlen daher, hinterlässt aber umso größeren Hall.

    Dabei hat der Schrecken ein schickes Zuhause. Die Bühne von Alexander Naumann hat den Charme eines Pop-up-Buches, erinnert vage an die Zeichnungen des britischen Illustrators Aubrey Vincent Beardsley oder an die Film-noir-Ästhetik Frank Millers. Das dreidimensionale Ungetüm wirkt wie ein aufgeklapptes Buch, das auf eigentümliche Weise seine Zweidimensionalität bewahrt. Die Zitate aus der Comicwelt, besonders die differenzierte Lichtsetzung, funktionieren hervorragend. Allseits bekannte Soundwords wie „Schmatz“, „Klack“, „Knack“ und „Knirsch“ werden durch ein ausgeklügeltes Sounddesign und Musik von Constantin John in das 3D-Universum katapultiert und hallen durch die Gemäuer des Theaters. Doch so gut sie auch funktionieren, so schön die Türen auch knarzen – sie sind zum Schmunzeln, aber wenig zum Gruseln.

    Auch die zwischen „Addams Family“ und „Emily the Strange“ angesiedelten Kostüme von Josa Marx passen perfekt in die grafische Welt. Schön, aber etwas zu oft gesehen, wirken sie eher plakativ als nuanciert. Im grafischen Passepartout eingefasst, wandeln Petya Alabozova, Luise Berndt, Elke Borkenstein, Torsten Borm, Benedikt Voellmy und Furkan Yaprak wie zarte Scherenschnitte – wie Figuren, die auf feinen Papierlaschen kleben – durch dieses überdimensionale Ziehbilderbuch. Es wirkt, als hätte man Angst, sie könnten bei einer heftigeren Bewegung zerreißen. Das Hindrapierte macht Sinn; das Verharren in Posen unterstreicht die Gesamtästhetik. Eine gewisse Emanzipation von der zugewiesenen Rolle, eine Varianz des Spiels, könnte der Inszenierung jedoch eine ungeahnte Tiefe verleihen.

    Es gibt sie, diese Momente des Ausbruchs, doch münden sie eher in Slapstick. Das erhoffte Schaudern bleibt aus. Dennoch: „Mit einem scheckig bunten Gemisch ...“ (Der Eroberer Wurm, Poe) aus altbekannten und neuen Ideen bietet die Inszenierung einen durchaus vergnüglichen Abend. \

    Quelle: https://www.aachener-zeitung.de/kultur/klenkes…./27027217.html

    „Der Untergang des Hauses Usher“

    Der Autor und Regisseur Wilke Weermann ist bekannt für atmosphärisch dicht komponierte Theaterabende, er zitiert Genres wie Science-Fiction und Horror und setzt ihnen einen hintergründigen Humor entgegen. Am Theater Aachen widmet er sich dem großen amerikanischen Meister der Schauerliteratur Edgar Allan Poe und verknüpft in „Der Untergang des Hauses Usher“ dessen Erzählungen zu einer neuen Gruselgeschichte über düstere Familiengeheimnisse und verdrängte Schuld. Ab 15 Jahren.

    NÄCHSTE TERMINE

    17.10.2025, 19:00 Uhr

    26.10.2025, 19:00 Uhr

    21.11.2025, 19:00 Uhr

    13.12.2025, 19:00 Uhr

    INFORMATIONEN

    https://www.theateraachen.de/

    ADRESSE

    Theater Aachen, Großes Haus

    Theaterplatz 14

    52062 Aachen