Jules Verne im Jugendslang

  • "20000 Meilen unter dem Meer" in Jugendsprache nacherzählt - das verspricht ein Buch, das als Teil einer Reihe weiterer Nacherzählungen erschienen ist. Die Neufassung beschränkt sich auf den ersten Teil (was man aber erst am Ende merkt, einen Hinweis darauf gibt es im Titel nicht), der auf rund 120 Seiten nacherzählt wird. Die Nacherzählung ist gestrafft, folgt aber im Prinzip (auf die Handlung bezogen) ungekürzt der Vorlage. Der Klappentext weist darauf hin, dass es keine Parodie sein soll, allerdings sind einige Absätze (gerade zu Beginn) mit recht viel "Jugendsprache" versehen worden. Für nicht der Zielgruppe zugehörige Leser klingt es damit streckenweise doch eher wie eine Parodie. Was die jugendprachsprechende Zielgruppe von dem Buch halten würde, kann ich nicht einschätzen. Ein Kuriosum.

    20000 Meilen unter dem Meer - Jugendsprachfassung
    Dies ist billige Zusammenfassung und Parodie. Das hier ist der echte Stoff. Der absolute Klassiker der Weltliteratur – aber so übersetzt, als hätte Jules…
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  • Autsch... ich bin ja nun lange jenseits der "heutigen Jugend", weiß also nicht ob die das ansprechen würde... aber das erscheint mir doch etwas zu heftig transrfomiert um Erfolg zu haben ...

    :seemann: :baer:

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    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • Ohne Bezug zum Buch, aber zum Thema:

    Jugendsprache ist nicht unbedingt hilfreich, wenn die Herausgeber in Jugend-Slang oder wie sie es verstehen, abrutscht. Viel wichtiger finde ich kinder - oder jugendgerechte Sprache, verbunden mit gefühlvollen Kürzungen und der Vermeidung (oder mit Erläuterungen) nicht mehr gebräuchlicher Begriffe.

    Ich habe das zum Beispiel am deutschlandweiten Lesetag im November gemerkt, als ich vor 5. und 6. Klassen las. Noch beim Lesen von Auszügen aus einem Vernebuch übersetzte ich einige Begriffe in geläufigere Worte um. Das sind einfache Sachen wie Repetiergewehr, Gaffelschoner (was unter Seeleuten noch heute exakt ist, aber Segelboot war verständlicher) und Angaben in Fuß und Meilen. Aber auch zu detaillierte geografische Erläuterungen Vernes kürzte ich beim Lesen. Denn es ist gar nicht so einfach, Kinderversionen von Verne zu erwerben. Das ist aber die Möglichkeit, Kinder zum Lesen und an Verne heranzuführen.

    Das dies geht, zeigte ein Vortrag den ich gestern vor 45 Kindern (alle 6. Klasse) in unserer Bibliothek hielt. Ich hatte von Verne erzählt, wie er aufwuchs, was er für Träume hatte und wie er sich den beruflichen Plänen seines Vaters widersetzte. Dann kam noch die Thematik, wie man im 19. Jahrhundert arbeitete uns schrieb. Ich hatte volle Aufmerksamkeit! (Darüber waren die Lehrer auch begeistert…).

    Es gab rege Fragen und ich soll jetzt in Folge direkt mal in die dortige Schule kommen. Eine Episode am Rande: die Bibliothek hatte Verne Leihgaben ausgestellt und ich hatte ein paar alte Bücher von Hartleben mitgebracht. Ein sehr gut erhaltenes Exemplar kommentierte ich mit den Worten: das Buch hat eine traurige Geschichte hinter sich…

    Einer schnallte es sofort: es wurde gar nicht gelesen!

  • jau, Andreas, mach weiter so! Du hast die Gabe, junge Leute für das Thema zu interessieren und zu begeistern, und das ohne dich zu verbiegen. Das merken die Jugendlichen und honorieren es auch. Die Darbietungen in Jugendsprech von älteren Zeitgenossen ist ja meist zum Fremdschämen, zumindest was manche Politikervideos so bieten... urgh! Die Jugendlichen selbst nehmen sofort wahr, dass das nicht authentisch ist und lehnen es als peinliche Anbiederung ab. Da der Jugendslang sich schnell wandelt, dürfte der Buchausgabe auch nur eine kurze Wirkungszeit beschieden sein - wenn überhaupt. Insofern durchaus interessant als Kuriosum. Vermutlich mehr für eine Handvoll von Sammlern als für das anvisierte Publikum.

    volker