Zwei Jahre Ferien (Bücherbundversion)

  • Ich nutze den Roman „Zwei Jahre Ferien“ gern als Aufhänger, wenn ich bei Kinder und Jugendlichen Appetit auf einen Jules Verne Vortrag machen möchte.

    Ich hatte erst kürzlich nochmals den Roman in der Version vom Bücherbund gelesen. Als ich gestern u.a. daraus zitieren wollte, vielen mir fragwürdige Stellen (von der Wortwahl her) auf. Zu Hause mit Hartleben vergleichend gab es bei diesen Stellen Abweichungen.

    Jetzt meine Frage an unsere Textanalysten: wie gut ist insgesamt die Übersetzung dieses Buches vom Bücherbund? Hatte ich nur Zufallstreffer?

  • Also soweit ich weiß, ist Bücherbund hier gleich Diogenes. Diese Version ist leicht gekürzt, meiner Erinnerung nach v.a. im hinteren Teil des Romans ist glaube ich ein Kapitel umfangreich gekürzt, und hier und da mal ein Absatz.

    Einen qualitativen Textvergleich zu Hartleben oder dem franz. Original habe ich so bewusst nie gemacht, nur einen groben Vergleich, bei dem mir aber nicht wirklich etwas (außer den Kürzungen) aufgestoßen ist.

    :seemann: :baer:

    -----------------------
    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • Also soweit ich weiß, ist Bücherbund hier gleich Diogenes.

    Ja, das ist auch mein Kenntnisstand, habe ich jetzt aber nicht noch mal überprüft.

    Jetzt meine Frage an unsere Textanalysten: wie gut ist insgesamt die Übersetzung dieses Buches vom Bücherbund? Hatte ich nur Zufallstreffer?

    Andreas Emails erhalten, ich antworte einfach mal hier. Was den letzten Absatz des letzten Kapitels betrifft, hast du recht: Hartleben bleibt eng am Original, Diogenes bzw. Bücherbund ist frei interpretiert. (Das mit der „langentbehrten Heimat“ scheint aber ein Zusatz des Hartleben-Übersetzers zu sein … wenn es nicht gerade auf den frz. Druckfahnen stand …)

    Ausführliche Vergleiche habe ich nie angestellt. Ich habe hier aber eine Vermutung: Man empfand einiges als zu „altbacken“, unmodern, und wollte es „leichter verdaulich“ machen. Ich kann mich nämlich zumindest an eine andere Sache erinnern, wo Diogenes gekürzt hat: Es wird in dem Roman auch mal erwähnt, dass die Jungen beten. Das wurde bei Diogenes aber weggelassen.

    Bei dem letzten Absatz fand man es wahrscheinlich unmodern, dass die Größeren nun schon fast Männer waren … weil sie durch die Gefahren sozusagen gestählt wurden.

    Nautron respoc lorni virch.

  • Um bei diesen langen Korrekturen ruhig zu bleiben, habe ich mir angewöhnt, einen diskreten Anti-Stress-Ring für bessere Konzentration zu tragen. Das hilft wirklich, die nervöse Energie zu kanalisieren, wenn man bei einer komplexen Übersetzung feststeckt. Diese kleinen rotierenden Ringe halten den Geist wach, während man gelassen mit frustrierenden linguistischen Entscheidungen umgeht. Ein echter Pluspunkt, um die Geduld bei anspruchsvollen Texten nicht zu verlieren.

    Edited once, last by NilsSchatten (June 24, 2026 at 9:12 PM).

  • In der Bücherbundversion steht sinngemäß am Ende, dass doch bestimmt jeder von „Zwei Jahre Ferien“ träumt, wenn ihm die Schule „zum Halse raushängt“. Da war mir klar, dass das kein O-Ton Jules Verne sein konnte….

    Nein, natürlich nicht. Im Original heißt es:

    Jamais, sans doute, les élèves d’un pensionnat ne seront exposés à passer leurs vacances dans de pareilles conditions. Mais, – que tous les enfants le sachent bien, – avec de l’ordre, du zèle, du courage, il n’est pas de situations, si périlleuses soient-elles, dont on ne puisse se tirer.

    Also sinngemäß:

    Wohl kaum werden die Schüler eines Internats jemals gezwungen sein, ihre Ferien unter solchen Bedingungen zu verbringen. Aber – das sollen alle Kinder wohl wissen – mit Disziplin, Eifer und Mut gibt es keine Situation, wie gefährlich sie auch sein mag, aus der man sich nicht befreien könnte.

    Bei Hartleben heißt es hier:


    Was soll aber als Moral dieser Erzählung, welche wohl mit Recht den Titel »Zwei Jahre Ferien?« führt, in der Erinnerung junger Leser haften bleiben?
    Niemals vielleicht werden Zöglinge eines Pensionats während ihrer Ferien so schweren Prüfungen ausgesetzt sein. Doch – das mögen sich Alle merken – bei regem Ordnungssinn, Eifer und Muth gibt es keine noch so gefährliche Lebenslage, aus der man sich nicht zu befreien vermöchte.

    Also hat sich Hartleben deutlich dichter am Original gehalten. Dies sind ja aber nun in irgendeiner Art und Weise jeweils entsprechende zeitgemäße Anpassungen an den zeitlichen Lesefluss ...

    Heute würde man dies vielleicht wiederum anders formulieren... vielleicht so:

    Hey Bro, so voll krass zwei Jahre zu chillen ohne die Alten ... :P

    Äh nein, im Ernst, etwa so vielleicht?:

    Was lässt sich als Ergebnis dieser Erlebnisse, welche mit "Zwei Jahre Ferien" betitelt sind, festhalten? Es ist kaum annehmbar, dass junge Menschen solcherlei Umständen ausgesetzt sein werden. Und wenn doch, dann zeigt es, das es immer Wege gibt damit umzugehen ...

    LG

    B.

    :seemann: :baer:

    -----------------------
    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • ...

    Man muss es ja mal so sehen:

    Der moralisch erhobene Zeigefinger des Jules Verne in seiner Formulierung ist halt zeitgemäße Erziehungsform. Die Vermutung, sie stamme von dem jundbuchorientierten Verleger Hetzel lässt sich (leider) durch die Konsultation der Manuskriptfassung widerlegen, das hat JV so tatsächlich von Beginn an formuliert. Er war halt auch nur ein Kind seiner Zeit bzw. wusste, was sein Verleger erwartet …

    :seemann: :baer:

    -----------------------
    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • Bei Ebay gesehen: Gab’s auch mit Bauchbinde, auf der auf die Fernsehserie von 1974 hingewiesen wird, das wollte man wohl als Werbeeffekt nutzen, und wieso auch nicht. Ist wohl 2. Auflage von 1974, wenn ich das Impressum richtig deute.

    Ob man bei Diogenes schon wusste, dass die Serie geplant war? So dass man den Roman (neben der schon vorausgegangenen Serie) ins Programm genommen hat, um ein bisschen von der Beliebtheit der Abenteuerfernsehserien zu profitieren? Ist natürlich nur Spekulation, würde aber, wenn es so wäre, zu der Bearbeitung des Textes passen, s. o., man wollte es wohl moderner haben, passend für die Jugend der 70er Jahre.

    https://www.ebay.de/itm/198442256524

    Nautron respoc lorni virch.

  • Also: ich bin Fan der Hartleben Version, kann aber auch mit der Kurzfassung von NL leben.

    Aber die Lektüre zeigt, dass man nicht unbedingt den Beweis braucht, manchmal hilft schon das Gefühl beim Lesen, dass irgendetwas nicht richtig passt….

    Danke an die fleißigen Helfer, war wieder eine interessante Runde!