Posts by Poldi

    Produktinformation:

    Darsteller: Wsewolod Larionow, Alexander Chwylja, Michail Astangow

    Regisseur(e): Wassili Shurawljow

    Format: Dolby, PAL

    Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

    Region: Region 2

    Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

    Anzahl Disks: 1

    FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

    Studio: 99999 (Alive)

    Erscheinungstermin: 27. März 2020

    Produktionsjahr: 1945

    Spieldauer: 83 Minuten


    Rezensionen

    Bei einer Überfahrt nach San Francisco hat ein neuer Koch namens Negoro angeheuert, der ein dunkles Geheimnis hat. Als die Mannschaft bei einer Waljagd nicht an Bord zurückkehren kann, will Negoro das Kommando ergreifen, scheitert aber am Einspruch der noch anwesenden Passagiere. Der Schiffsjunge Dick Sand bekommt das Kommando. Doch Negoro sorgt dafür, dass Dick statt in Amerika in Afrika landet. Hier fallen sie in die Hände von Sklavenhändlern - unter Negoros Führung ...


    Bonusmaterial:

    Booklet mit Texten von Ralf Schenk (DEFA); Trailer; Weitere Highlights; Schuber / Wendecover



    Quelle: https://www.amazon.de/gp/produ…tle_o02_s01?ie=UTF8&psc=1

    Deutsch-Französischer Kulturkreis Heidelberg


    Ein Sprechtakel nach dem Roman von Jules Verne, mit Stefan Dinter (Live-illustration) und Götz Schneyder (Sprecher, Sounds)


    Haus der Astronomie, MPIA Campus, Königstuhl 17, 69117 Heidelberg, Eintritt 8 €, ermäßigt und dfk-Mitglieder 5 €, VVK: Zigarren Grimm, Sofienstraße 11 / Abendkasse, Anfahrt: Bus 30 ab Universitätsplatz, Richtung Königstuhl, Haltestelle MPIA, oder Bus 39 ab Bismarckplatz, Richtung Königstuhl, Haltestelle Sternwarte, 5-10 Minuten Fußweg. Rückfahrt mit dem Ruftaxi (Bustarif) oder privat.


    Bereits 1867 schickte Jules Verne sein Lesepublikum auf einen imaginären Flug zum Mond. Diese fiktive Reise ins Weltall aus dem vorletzten Jahrhundert können Sie bei einem „Sprechtakel“ akustisch und bildlich miterleben: Götz Schneyder spricht Passagen aus dem deutschen Text, sorgt für die Geräuschkulisse und musikalische Untermalung, Stefan Dinter zeichnet synchron dazu Charakterstudien, Kommentare oder Planskizzen etwa von der Mondkabine, die live auf die Kuppel des Planetariums projiziert werden. Humorvoll und augenzwinkernd werden die technischen Visionen, gesellschaftlichen Utopien und menschlichen Eitelkeiten aus Jules Vernes Klassiker in einer animiert-illustrierten Erzählung anschaulich vorgeführt.


    Esther Kolar vom Haus der Astronomie wird vorab Wissenswertes über den Mond erzählen und das Publikum zu einer virtuellen Mondreise an der Planetariumskuppel mitnehmen.


    Eine Veranstaltung des Deutsch-Französischen Kulturkreises e.V. (dfk) in Kooperation mit dem Haus der Astronomie


    Quelle: http://www.deutsch-franzoesisc…kreis.de/2020/juli23.html

    Atelier AndersARTig: Mit Jules Verne in die Unterwasserwelt


    Von Martina Hörle - 18/04/20200


    Janine Werner (li.) und Patricia Stute freuen sich sehr über den großen Erfolg des ersten virtuellen Kulturrucksack-Workshops. (Foto: @ Martina Hörle)


    SOLINGEN (mh) – Fantasievolle, leuchtend bunte Korallenriffe sind das Ergebnis eines virtuellen Workshops im Atelier AndersARTig. Gemeinsam mit Janine Werner gingen zehn Jugendliche im Alter von 10 – 14 Jahren auf eine abenteuerliche Reise in die Tiefen der Meere. Inspiriert durch die Geschichte um Captain Nemo entwarfen die Jugendlichen neue Unterseewelten aus großen und kleinen Gewächsen sowie einzigartigen Lebewesen.


    Unterseewelten im virtuellen Workshop

    Das Thema lautete „Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer“. Am ersten Tag gab es einen spannenden Einblick in den Verlauf der Geschichte. „Ich fand die virtuelle Variante zu Beginn etwas eigenartig“, gibt Janine Werner zu. „Es lief alles über eine Webcam. Ich wollte keine Video-Tutorials vorführen. Es war mir wichtig, dass alles eins zu eins ablief. Zusätzlich zu den Erläuterungen habe ich alle Arbeitsschritt genau gezeigt.“


    Zu diesem Zweck hatte die Künstlerin schon im Vorfeld jeden Einzelschritt ihres Korallenriffs vorgebaut und konnte jetzt mit Hilfe dieses Anschauungsmaterials anschaulich vorführen. Sie war begeistert über den Eifer der Jugendlichen. „Sie haben die ganze Zeit intensiv mitgearbeitet und einen unglaublichen Ideenreichtum gezeigt, auch in der handwerklichen Umsetzung.“


    Sobald die Ateliers wieder geöffnet sind, wird es mit den entstandenen Fantasiewelten eine Ausstellung geben.


    Die zehnjährige Ragna hat eine bunte Welt mit Seeigel, Oktopus und Unterseeboot entworfen. (Foto: @ Melanie Looschelders)


    Bei dem Workshop handelte es sich um ein Projekt im Rahmen des Landesprogrammes Kulturrucksack NRW. Dieses Programm ermöglicht zehn- bis vierzehnjährigen einen leichten Zugang zu Angeboten der kulturellen Bildung und umfasst alle Bereiche von der Medienbildung bis zur Bewegungs- und Alltagskultur. Städte und Gemeinden schaffen diese Angebote in Zusammenarbeit mit Kultur- und Jugendeinrichtungen. Die Veranstaltungen sind in der Regel kostenlos oder kostengünstig.


    Janine Werner hatte in den letzten Jahren bereits mehrfach im Rahmen dieses Programmes Workshops in ihrem Atelier AndersARTig geleitet. Aufgrund der Corona Pandemie musste schnell eine andere Regelung her.


    Analoges Angebot mit dem Kultur-Care-Paket

    Dazu Patricia Stute von der städtischen Jugendförderung: „Wir hatten ein so schönes Programm für die Kinder und Jugendlichen zusammengestellt. Das wollten wir nicht streichen. Fast alle haben doch Internet und einen PC daheim. Wir haben das Digitale mit dem Kulturellen verbunden und daher schnellstmöglich alles in den digitalen Raum verlegt. Ich hatte vorab Kontakt mit Janine Werner aufgenommen und gemeinsam mit ihr den Workshop entsprechend umgestaltet. Wir sind sehr froh darüber, wie wunderbar alles gelaufen ist. Auf Instagram stellen wir kurzfristig die nächsten Angebote ein.“


    Julian (10 Jahre) präsentiert stolz seinen Seeigel und die in leuchtendem Blau gestaltete Unterwasserwelt. (Foto: @ Manja Pergande)

    Julian (10 Jahre) präsentiert stolz seinen Seeigel und die in leuchtendem Blau gestaltete Unterwasserwelt. (Foto: @ Manja Pergande)


    Und dann präsentiert Patricia Stute noch ein analoges Angebot: Das Kultur-Care-Paket – eine große Tüte mit einer außen angebrachten Bastelanleitung für ein Stoff-Memory-Spiel. Es ist in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Heike Buschkotte-Leichsenring vom Atelier Bukolei entstanden und ist gedacht für die Kinder, die nicht digital basteln möchten. Das Spiel kann leicht zu Hause nachgebaut werden. Alles, was man dazu braucht, ist in der Tüte zu finden. Auch dieses Angebot ist ab Montag auf Instagram zu finden. Die Tüten sind nur in einer begrenzten Anzahl erhältlich. Deshalb schnell eine Mail an kulturrucksack@solingen.de schicken. Dann können die Tüten nach Terminabsprache im Haus der Jugend an der Dorper Straße abgeholt werden.


    Weitere Angebote immer aktuell auf Instagram

    Vor dem nächsten Workshop mit Janine Werner können sich Teilnehmer bei ihr ebenfalls ein Tütchen mit Materialien abholen. Eine Heißklebepistole sowie Schere sollten allerdings vorhanden sein. Gebaut werden Kulissen von Filmklassikern und Lieblingsfilmen.


    Kleiner Tipp: Wer mitmachen möchte, braucht auf jeden Fall einen Karton (Schuhkarton o. ä.) und Pappe. Also schon mal anfangen zu sammeln.


    Quelle: https://solingenmagazin.de/ate…e-in-die-unterwasserwelt/

    Rezension: LEO UND DIE ABENTEUERMASCHINE – EINE SCHNITZELJAGD DURCH RAUM UND ZEIT (7)


    Leo und die Abenteuermaschine - Eine Schnitzeljagd durch Raum und Zeit - Teil 1

    Es wurde mal wieder Zeit für eine Folge Leo und die Abenteuermaschine. Wir haben den kleinen, jungen Löwen regelrecht vermisst. Daher haben wir uns Folge 7 einmal zu Gemüte geführt. Eine Schnitzeljagd durch Raum und Zeit – heißt es so schön im Titel. Leo findet Zettel mit diversen Rätseln, denen er selbstverständlich in Absprache mit seiner Abenteueruhr nachgehen muss, aber worum geht es konkret?


    [Achtung Spoiler!]


    DIE INTERNATIONALE ELEKTRIZITÄTSAUSSTELLUNG 1881 IN PARIS

    Sein erstes Abenteuer in dieser Folge führt den jungen Löwen nach Paris, wo vom 15. August bis 15. November 1881 die Internationale Elektrizitätsausstellung, auch die erste Internationale Elektrizitätsausstellung genannt, stattfindet. Dort trifft er auf Thomas Edison, der zunächst als Erfinder der elektrischen Glühbirne vorgestellt wird. Im Gespräch mit Edison korrigiert ebendieser diese Information und gibt bekannt, dass Heinrich Göbel bereits 1854 die Glühlampe erfunden hat. Allerdings hat sich zu dieser Zeit die Erfindung nicht durchsetzen können, weil etwas Essentielles dazu fehlte: der Strom. Thomas Edison hat die Glühbirne also nicht 100 % selbst erfunden, die bereits vorhandene Erfindung aber in einen neuen Context gesetzt. Doch natürlich läuft hier nicht alles nach Plan. Edison soll heute sein Projekt präsentieren und Leo hilft ihm im entscheidenden Moment dabei, dass die Präsentation nicht in die Hose geht.


    EINMAL HEISSLUFTBALLON MIT JULES VERNE FAHREN, BITTE

    Das zweite Abenteuer führt Leo über viele Romananspielungen von Jule Verne wieder einmal nach Paris – dieses Mal aber bereits ins Jahr 1846 – konkret zum 20. Juni 1846 14 Uhr. An diesem Tag wurde auch der Gare du Nord feierlich eröffnet. Der junge Löwe in Paris angekommen, wird er gleich mit einem Dieb konfrontiert, der die Kasse des Heißluftballon-Betreibers gestohlen hat. Die Verfolgungsjagd nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass Leo sein Treffen mit Jule Verne zu verpassen droht.


    Doch wie es das Schicksal so will, trifft Leo beim Heißluftballon-Stand auf Jule Verne. Sie treten eine Fahrt mit dem Ballon an und sprechen darüber, wie man schnellstmöglich die Welt bereisen könnte. Leos Vorschlag: Wie wäre es mit einer Weltreise in 80 Tagen? Da ließe sich doch sicher ein Roman zu schreiben …


    Zum Dank für die Fahrt im Heißluftballon überreicht Jules Verne dem jungen Löwen einen Briefumschlag, in dem sich eine Goldmünze mit einem weiteren Hinweis befindet.


    EIN NEUES ABENTEUER WARTET

    Leo und seine Abenteueruhr lösen schon schnell das Rätsel, wohin es als nächstes gehen soll. Doch das verraten wir an dieser Stelle nicht … :-)


    FAZIT

    INHALT:

    Uns geht immer ein bisschen das Herz auf, wenn wir Leo und die Abenteuermaschine hören. Das Hörspiel ist mit so viel Liebe gemacht, das merkt man bei jedem kleinen Detail – und wenn es nur ein kleiner Star-Wars-Hinweis der Abenteueruhr ist.


    Selbst als Erwachsener sind die Folgen spannend, man lernt ja schließlich im Leben nie aus. So überzeugt uns auch die 7. Folge der Reihe um den schlauen Löwen.


    SPRECHERLEISTUNG:

    Bei Leo und die Abenteuermaschine wird immer sehr klar und deutlich gesprochen. Die vor allem jungen Hörerinnen und Hörer oder sicherlich auch die älteren unter uns (:-)) sollen natürlich auch die Zusammenhänge verstehen können. Die Reise in die Vergangenheit sorgt zusätzlich dafür, dass die Sprache an sich noch etwas “gehobener” bzw. ausgewählter ist – so sagt Jule Verne z. B. als er sich verabschiedet: “Ich empfehle mich”. Eine Floskel, die man heute nirgends mehr hört :-). Es ist so gesehen auch für die Sprache eine Reise durch Raum und Zeit.


    Beim Durchstöbern des Booklets ist uns aufgefallen, dass Tobias Arnold als Sprecher gelistet ist und wir meinen uns sogar an ein Gespräch mit dem Sohnemann Arnold auf der HÖRMICH 2019 erinnern zu können. Wir stellen uns das schon ziemlich cool vor, einen Hörspielproduzenten als Papa zu haben … ;-).


    GERÄUSCHE UND MUSIK:

    Die Musik sorgt für eine entspannte Stimmung im Hörspiel. Wenn es doch etwas aufregender zugeht, nimmt sie entsprechend Tempo auf. In unseren Ohren sind Geräusche und Musik gut abgemischt und erfüllen ihren Zweck.


    COVER UND TITEL:

    Auf dem Cover sehen wir Jules Verne mit Roman in der Hand und Stift hinter den Ohren (wie ein klassischer Autor eben), Leo und Thomas Edison mit einer leuchtenden Glühbirne in der Hand (v. l. n. r.). Im Hintergrund befinden sich der Eiffelturm und ein in bleu-blanc-rouge gefärbter Heißluftballon. Es sind also alle Aspekte zu sehen, mit denen die Hörerinnen und Hörer es zu tun bekommen. Wenn man sich zuvor nicht mit dem Cover befasst, lässt der Titel “Eine Schnitzeljagd durch Raum und Zeit” noch Spielraum für Spekulationen.


    [Es folgt ein Aufruf für den Kauf von physischem Hörmaterial!]


    Zwar sind wir keine großen CD-Freunde, aber bei Leo und die Abenteuermaschine merkt man, dass hier viel Herzblut drinsteckt. Öffnet man die CD und nimmt das Booklet heraus, so findet man im Inneren noch einmal zusammengefasst die Fakten der Folge und kann gleich testen, ob man auch richtig zugehört hat … :-). Ganz ehrlich: Da schlägt auch unser Hörspielherz ein bisschen schneller.


    GESAMTSPIELLÄNGE:

    ca. 55 Minuten


    ERSCHEINUNGSJAHR:

    2018


    BESETZUNG:

    Leo der schlaue Löwe | Marco Rosenberg

    Erzählerin | Katrin Zierof

    Abenteueruhr | Babette Büchner

    Thomas Edison | Jens Hartwig

    Jules Verne | Brain Sommer

    Mabb bei Edison | Dominik Stein

    Ballonfahrer | Sebastian Lohse

    Straßenhändler | Ulrich Blöcher

    Passantin | Angelina Geisler

    Kind | Tobias Arnold

    Leos Mama | Irina von Bentheim

    Leos Papa | Charles Rettinghaus


    IN EIGENER SACHE:

    Für diesen Blogbeitrag wurde uns die erste Folge der ersten Staffel von e.T. Media / Matthias Arnold zur Verfügung gestellt. Der Text wurde in Eigenregie erstellt und spiegelt unsere persönliche Meinung wider. Sie wurde in keiner Weise von Autoren, Produzenten oder Labels beeinflusst.


    Quelle: https://www.kassettenbox.de/20…gd-durch-raum-und-zeit-7/

    In dem Fragment gebliebenen «Passagen-Werk» bezeichnet der Philosoph Walter Benjamin das Theatrophon als Vorläufer des Grammophons. Letzteres war für ihn als Vehikel zur mechanischen Reproduktion von Musik den aus seiner Sicht veralteten und somit dem Geist der Pariser Passagen verhafteten Musikkapellen überlegen. In seinem erstmals 1936 veröffentlichten Essay «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit» hebt er die Überlegenheit massenhaft verbreiteter Kopien gegenüber dem einmaligen, in seiner Aura befangenen Kunstwerk hervor.



    Ein gut situiertes Publikum vergnügt sich im Jahr 1903 in einem «Electrophone»-Salon in London.


    Benjamin zitiert aus Paul Valérys visionärem Text «Die Eroberung der Allgegenwart», in dem der Dichter 1928 unter dem Eindruck der ersten Übertragung eines klassischen Konzerts im Radio den Einfluss moderner Technologien auf die Künste reflektiert. «Wie Wasser, Gas und elektrischer Strom von weit her auf einen fast unmerklichen Handgriff hin in unsere Wohnungen kommen, um uns zu bedienen, so werden wir mit Bildern oder mit Tonfolgen versehen werden, die sich, auf einen kleinen Griff, fast ein Zeichen einstellen und uns ebenso wieder verlassen.»


    «Chockwirkung»

    Die wachsende Verbreitung des Radios führte dazu, dass das Theatrophon Anfang der 1930er Jahre in der Versenkung verschwand. In der Schweiz überlebte es indes noch mehrere Jahrzehnte als Telefonrundspruch. Durch dieses 1931 eingeführte Drahtfunkverfahren wurden auch Musikprogramme über Telefonleitungen verbreitet und mit «Biennophonen» empfangen. Die historischen Geräte laufen noch heute in den Zimmern des Hotels Schatzalp in Davos, da UKW-Wellen in das herkömmliche Telefonrundspruch-Signal umgewandelt werden können.


    Mit dem Rundfunk als neuem Massenmedium befasste sich Benjamin bereits seit Mitte der 1920er Jahre. In seinem «Kunstwerk»-Essay spricht er aber mit Blick auf die von ihm nur am Rande erwähnte Musik nicht vom Radio, sondern von der Schallplatte: Das «Chorwerk, das in einem Saal oder unter freiem Himmel exekutiert wurde, lässt sich in einem Zimmer vernehmen.» Das nicht mehr erreichbare Original kommt auf diese Weise dem Rezipienten entgegen. Im Gegensatz zu einer Rundfunkübertragung ist die Schallplattenaufnahme dazu geeignet, Musik materiell zu fixieren und in den eigenen vier Wänden beliebig oft reproduzierbar zu machen.


    Das Medium, das durch seine «Chockwirkung» auf den Betrachter mehr noch als die Fotografie die Zertrümmerung der Aura vollzieht, ist für Benjamin jedoch der Tonfilm. «Im Kino fallen kritische und geniessende Haltung des Publikums zusammen», konstatiert er in seinem bahnbrechenden Text. Dessen Thesen zur Verbreitung und Rezeption von Kunst liefern auch im digitalen Zeitalter noch Denkanstösse.


    Benjamin ahnte nichts von heutigen Opern- und Konzertübertragungen im Internet, die neben der akustischen auch eine visuelle Komponente haben. Anders als früher das Theatrophon sind Live-Streams im Internet nicht nur einer Minderheit, sondern der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Bleibt die Frage, ob sie den Zuschauern mehr bieten als bloss die Illusion, in Echtzeit einem räumlich entfernten Ereignis beizuwohnen.


    Wirkung als Opiat?

    Womöglich kann der Live-Stream am Ende erst dann zu einer eigenen Kunstform werden, wenn er die Zuschauer durch verfremdende Schnitte und andere künstliche Effekte wachrüttelt und Distanz zum Dargebotenen schafft. Sobald der Stream «on demand» aus dem Archiv abrufbar ist, kann sich der Nutzer freilich schon durch Vor- und Zurückspulen oder vorzeitiges Abschalten vom passiven Konsumenten zum Akteur wandeln.


    In einem live miterlebten Konzert ist freilich immer eine Spur des kultisch verehrten Originals zu erkennen. Erst die technische Reproduzierbarkeit von Kunst und die Wahrnehmung dieses Prozesses durch den Betrachter lassen, laut Benjamin, die Aura verschwinden.


    «Die Kunst ist sittlich, sofern sie weckt. Aber wie, wenn sie das Gegenteil tut? Wenn sie betäubt, einschläfert, der Aktivität und dem Fortschritt entgegenarbeitet?», so fragt warnend der Aufklärungsliterat Lodovico Settembrini in Thomas Manns Roman «Der Zauberberg», als die Gäste des Davoser Sanatoriums in sich versunken einem Kurkonzert lauschen. Denn er weiss wohl: «Auch das kann die Musik, auch auf die Wirkung der Opiate versteht sie sich aus dem Grunde.»


    Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/…-zum-streaming-ld.1553814

    Aus der Ferne so nah – vom Theatrophon zum Streaming


    Seit Ausbruch der Corona-Pandemie wird in immer mehr Wohnzimmern Musik per Live-Stream empfangen. Der Wunsch, Kulturdarbietungen aus der Ferne hören zu können, wurde allerdings schon vor 130 Jahren erstmals Realität.


    Corina Kolbe 02.05.2020


    Das Theatrophon erlaubte schon um 1890 Tonübertragungen aus Oper und Konzert. Farblithografie von Jules Chéret aus Paris.


    Im Frühjahr 2007 trauten Tausende Menschen in Zürich ihren Ohren kaum, als sie zu Hause nichtsahnend ans Telefon gingen. Aus dem Hörer schallten ihnen plötzlich Arien entgegen, die zur selben Zeit im Opernhaus erklangen. Um Strauss’ «Rosenkavalier» oder Puccinis «La Bohème» unter das Volk zu bringen, hatte die Medienkunstgruppe Bitnik unter dem Motto «Opera Calling» einen tollkühnen Hackerangriff auf den Kulturtempel gestartet. Oper sei auch für diejenigen da, die sich keine teuren Eintrittskarten leisten könnten, meinten die Aktivisten. Ähnlich wie Guerilla-Gärtner, die Saatbomben auf Brachflächen werfen, hatten sie heimlich Wanzen in das Haus eingeschmuggelt.


    Die präparierten Handys sandten bei Vorstellungsbeginn Signale an eine Maschine, die nach dem Zufallsprinzip Nummern aus dem Zürcher Telefonbuch anwählte. Nahm jemand ab, konnten wiederum Besucher einer Installation im Cabaret Voltaire das Spektakel verfolgen – über Telefonhörer, die zu Dutzenden von der Decke baumelten. Die Angerufenen reagierten teils konsterniert, teils mit Humor. Wenig amüsiert zeigte sich der damalige Intendant des Opernhauses, Alexander Pereira, der mit rechtlichen Schritten drohte.


    Zehn Wochen lang dauerte der Lauschangriff, bis Mitarbeiter des Hauses Ende Mai das letzte versteckte Mobiltelefon fanden. Bitnik hatte bis dahin mehr als 90 Stunden Oper in über 4000 Privathaushalte übertragen. Medial allgegenwärtige Live-Stream-Angebote, die während der virusbedingten Theaterschliessungen gerade einen Boom erleben, waren vor 13 Jahren noch Zukunftsmusik. Ein Operntelefon für eine privilegierte Minderheit gab es dagegen schon viel früher.


    In der Illusion gefangen

    Bereits 1881 präsentierte der französische Erfinder Clément Ader bei der Ersten Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris einen Fernsprecher, über den man Opernaufführungen und Konzerten auch aus weiterer Entfernung zuhören konnte. Erst sechs Jahre später meldete Emil Berliner das Grammophon und die Schallplatte zum Patent an. Bis das Radio in die Wohnzimmer einzog, sollte es noch Jahrzehnte dauern.


    Die Besucher der Elektrizitätsausstellung im Palais de l’Industrie an den Champs-Elysées standen geduldig Schlange, um die sensationelle Neuerung zu testen. Durch Hörmuscheln, die sie an beide Ohren hielten, lauschten sie Musik, die von Mikrofonen am Rand der Bühne der Opéra Garnier aufgefangen und weitergeleitet wurde. Es entstand ein Stereoeffekt, sogar die Bewegungen der Sänger auf der Bühne liessen sich in der Hörwahrnehmung verfolgen. Manche Zuhörer waren derart in der Illusion gefangen, dass sie schliesslich die Kopfhörer absetzten und zu applaudieren begannen.


    Aders Erfindung sorgte bei der Weltausstellung 1889 erneut für Furore. Unter dem Namen «Theatrophon» wurde das Telefon international zum beliebten Unterhaltungsmedium, noch bevor es sich als Kommunikationsmittel durchsetzen konnte. In Hotels, Restaurants und Cafés der französischen Hauptstadt liess Aders Compagnie du Théâtrophone Münzfernsprecher installieren. Die Abonnentenzahlen stiegen, und besonders Betuchte leisteten sich sogar kostspielige Privatanschlüsse.


    Das belgische Königspaar hörte in seiner Sommerresidenz Rossinis «Guillaume Tell» und den «Barbier von Sevilla». Unter dem Namen «Electrophone» brachte das Telefon dem Publikum in Grossbritannien Aufführungen nicht nur aus dem Royal Opera House Covent Garden, sondern auch aus Paris nahe. Queen Victoria zählte ebenfalls zu den Kunden. In Deutschland experimentierte das Nationaltheater in München mit der Technologie, und aus der alten Berliner Philharmonie wurden Konzerte in Hörkabinette übertragen.


    Literarische Früchte

    Das Theatrophon erschien vielen Zeitgenossen als so utopisch, dass es bald auch die Phantasien von Literaten beflügelte. In seinem 1888 erschienenen «Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887» stellte sich der amerikanische Science-Fiction-Autor Edward Bellamy vor, wie in der Zukunft Orchesterkonzerte über Telefonleitungen rund um die Uhr in Wohnungen empfangen werden. Bezahlt wird – wie auch heute – mit der Kreditkarte.


    Der französische Schriftsteller Jules Verne versetzte in seinem phantastischen Roman «Die Propellerinsel» vier Musiker auf ein künstliches, schwimmendes Eiland. Über Theatrophone, die durch Unterseekabel mit dem Rest der Welt verbunden sind, können sie aus der Ferne miterleben, was in den bekanntesten Konzertsälen vor sich geht.


    Marcel Proust, dessen epochaler Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» vielfältige Bezüge zur Musik aufweist, war selbst Abonnent des Theatrophons. 1911 führte er sich auf diese Weise zu Hause Wagners «Meistersinger» und Debussys «Pelléas et Mélisande» zu Gemüte. Der Hörgenuss wurde allerdings durch die dürftige Tonqualität empfindlich getrübt. Einmal sei ihm gar nicht aufgefallen, dass inzwischen die Pause begonnen habe, scherzte er in einem Brief an seinen Freund Reynaldo Hahn. Eine Verbindung zwischen Fernsprecher und Opernmusik wird auch in der «Recherche» erkennbar. Als der Erzähler Marcel im Band «Sodome et Gomorrhe» eifersüchtig einen Anruf seiner Freundin Albertine erwartet, verquickt sich in seiner Vorstellung die Erinnerung an zwei Szenen aus Wagners «Tristan» mit dem mechanischen Geräusch des Telefons.

    Barrikade aus Musik

    1830 schlagen verirrte Gewehrkugeln neben den Fenstern des Institut de France ein, wo Berlioz in Klausur an der Kantate »Sardanapale« komponiert, die ihm den renommierten Rompreis einbringen wird. Von der Julirevolution bekommt er nicht viel mit. Bevor er zu seinem ersten Geniestreich ausholt, der »Symphonie fantastique«, kommt mit Gioacchino Rossini der in dieser Zeit meistgespielte, meistgeliebte, der erste buchstäblich weltberühmte Komponist in die Stadt. Mit der Grand Opéra, die er mitgebracht hat, es ist seine letzte Oper, wird er der Welt beweisen, dass er auch als ernster Komponist, über »Otello« und »Tancredi« hinaus, Außerordentliches leistet. Sein »Guillaume Tell« geht mit viel Pomp und Erfolg in der Oper an der Rue Le Peletier über die Bühne. Im Lauf eines großen Diners zu Ehren des so liebenswürdigen, wie witzigen und lebenshungrig melancholischen Maestro – knüpf, knüpf, knüpf! – lernt frau und man die berühmtesten Primadonnen der Zeit kennen, eine davon Rossinis aktuelle, eine andere seine spätere Frau. Auf den Tisch, auch für so etwas hat Hagedorn viel Sinn, kommen warme Austern im Kräutersud nach venezianischer Art, gebackene, mit Kräutern und Parmesan gefüllte Sardinen (beides, so der Autor, mag Rossini eigentlich lieber kalt). Man spricht über den Komponisten der Opernpremiere, über seinen Besuch beim – den Riesenerfolg des Italieners in Wien nur schwer verkraftenden – Beethoven. Dessen Lehrer Salieri hatte Rossini in Wien zu Beethoven gebracht. Von Salieri kommt man auf Mozart, von ihm auf die Giftmordlegende. Eins knüpft sich ans andere, die pure Lesefreude.


    Im Dezember 1830 wird die »Symphonie fantastique« öffentlich. Dem – knüpf! – 19jährigen Franz Liszt im Publikum glühen Augen und Wangen, Meyerbeer ist da, alle sind da, Le Tout-Paris, auch Heinrich Heine wäre da, wäre er 1830 bereits in der Stadt. Was für eine neuartige Musik! Gäbe es die Kunstform Film schon, die Leute würden diese Klänge mit der beweglichen Handlung, dem Wechsel der Bilder, der Schnittechnik der Filmkunst vergleichen. »Die Streicher«, schreibt Hagedorn, »müssen sich mitunter aufteilen in zehn Stimmen, vierfach geteilt allein die ersten Geigen, sie spielen harsch auf dem Steg, sie klopfen mit dem Bogenholz auf die Saiten. Eine dekadente Gesellschaft ist dieser Hexensabbat, und ihr Menetekel wird von schweren Röhrenglocken angekündigt: Den uralten Hymnus des Dies irae, des Jüngsten Gerichts, künden Posaunen und Tuben.« Man könnte Berlioz’ revolutionäre Sinfonie als Soundtrack der Barrikadenkämpfe vor seinen Fenstern im Sommer 1830 hören. »Ich habe mir ein modernes Sujet vorgenommen«, schreibt der Maler Eugène Delacroix im Oktober des Jahres an seinen Bruder, »eine Barrikade … wenn ich schon nicht für La Patrie siegen kann, male ich wenigstens für sie.«


    Während der Flieder blüht

    Heinrich Heine kommt, als einer von 7.000 Emigranten aus dem reaktionären Preußen vertrieben, 1831 in Paris an. Sein erster Text als Korrespondent für die Augsburger Allgemeine widmet sich einer Gemäldeausstellung im Louvre, eines der Bilder – knüpf! –: Delacroix’ »Liberté«. »›Papa!‹«, lässt der deutsche Poet in einem erfundenen Dialog zweier Museumsbesucher ein Kind den Vater fragen. »›Wer ist die hässliche Frau mit der roten Mütze?‹ ›Nun, so ganz hässlich ist sie nicht, sie sieht aus wie die schönste von den sieben Todsünden.‹« Rezensierend weiß man angesichts der Fülle an witzigen Beispielen nicht, wohin greifen in diese hinreißend anschauliche, plausibel unterhaltsame Art, über Kunst in der Geschichte zu schreiben.


    Die große Choleraepidemie von 1832 hat Heine in den »Französischen Zuständen« beschrieben. Als Hagedorn diese Quelle nutzte, konnte er nicht ahnen, wie aktuell das alles bei Erscheinen der zweiten Auflage des »Klang von Paris« knapp 160 Jahre später sein würde. Felix Mendelssohn, er hält sich im Frühjahr 1832 an der Seine auf, schreibt Sätze nach Haus, die heute seltsam vertraut klingen: »Da ist nun an keine Musik, an kein Zusammenleben mehr zu denken«, stellt er angesichts der sich ausbreitenden Furcht vor dem Gespenst der Seuche fest, und auch die »Zeitungsschrecknisse und Übertreibungen«, von denen er berichtet, sind vertraut wie die Mitteilung, dass sich einige Leute offenbar noch auf die Straße trauen: »Eben« – knüpf! – »kommen Herr Chopin und Herr Liszt. Lassen sehr grüßen unbekannterweise.« »Während der Flieder blüht«, resümiert Hagedorn, »sterben in der Hauptstadt fast 13.000 Menschen an der Seuche«, die große Mehrheit unter ihnen, der Autor vergisst es nicht zu erwähnen, sind arm.


    Hagedorn bringt die vielen Berühmtheiten seines Buches in bestem Wortsinn nah. Irgendwann Heine und Wagner an einem Tisch der gehobenen Gastronomie. Wieder Austern, »das Dutzend nachweislich zu 60 Centimes … die Flasche Sautern dazu nur drei Francs«. Thema der beiden – knüpf! – wieder einmal der Pariser Platzhirsch Meyerbeer. Er hat, Hagedorn beschreibt es ausführlich, Wagner wiederholt großzügig geholfen, was ihm der Schöpfer von »Lohengrin« und »Meistersinger« in seinem antisemitischen Machwerk »Über das Judentum in der Musik« übel vergalt. Zu Meyerbeer fällt Heine, Austern schlürfend, die Anekdote vom Komponisten Josef Dessauer ein, der für einige Lieder vom Musikverleger Maurice Schlesinger als Honorar eine Uhr erhalten hatte, die nicht ging. »Und Dessauer ging damit zu Schlesinger. Und was sagt der ihm? Habe ich gesagt, sagt er, dass sie gehen wird? Gehen Ihre Kompositionen? Es geht mir mit Ihren Kompositionen, wie es Ihnen mit meiner Uhr geht. Sie gehen nicht.«


    Ein Foto von Rossini

    Die Köstlichkeit solcher Anekdoten zu zitieren, bedeutet, viele andere nicht minder kostbare weglassen zu müssen, samt der daran geknüpften Biografien. So ist im Zusammenhang mit Nadar von seinen Karikaturistenkollegen Daumier und Doré die Rede, die wie er für den Charivari arbeiten, auf dessen Seiten Louis XVIII., als Birne dargestellt, das Modell für spätere Krisenaussitzer abgibt. Nadar, er ist eine besonders ergiebige Knüpffigur, kennt in der Pariser Kunstszene Gott und die Welt. Er fotografiert sie alle. Die seine Freunde Chopin oder Baudelaire zeigenden Fotos sind maßstäblich. Rossini fotografierte er kostenlos. Wie umständlich das war, entnimmt man einer wunderbar erzählten Passage, in der Hagedorn – weiß der Himmel, woher er die vielen Einzelheiten hat – die Entstehung des bis heute ultimativen Rossini-Fotos schildert. Bei der Gelegenheit – knüpf! – berichtet Nadar Rossini von einem Gespräch mit Balzac, der ihm auch Modell saß. Acht Sekunden müssen die Herrschaften still halten für Nadars Glasplatten mit der Silberschicht, sie sind zu ihrer Zeit neueste Technologie.


    Ein ganzes Kapitel erzählt vom scheuen, wortkargen Chopin und seiner selbstbewussten Lebensgefährtin George Sand. Ist von ihr die Rede, muss – knüpf! – irgendwann unbedingt auch der Dichter der »Éducation sentimentale« auftauchen, Gustave Flaubert, die beiden schrieben sich hinreißende Briefe. Hagedorn lässt eine Unterrichtstunde Revue passieren, die der die Welt vom Salon aus erobernde Chopin einem 14jährigen Landsmädchen gibt. Zum Reporter mutiert, besucht Hagedorn in Saint-Martin-d’Etampes den »besten Kenner Pleyelscher Klaviere«, Olivier Fadini. Lesend taucht man in dessen Restauratorenwerkstatt in die sich akustisch und optisch so sehr von der Luxusgleichmacherei moderner Flügel unterscheidende Welt der Pianofortes aus der Pariser Pleyel-Manufaktur ein. Chopin ließ sich alle fünf Jahre einen neuen Pleyel anfertigen.


    Dem aus Köln zugezogenen Wahlpariser Jacques Offenbach widmet sich Hagedorn verknüpft mit der Beschreibung der Politik des auf seltsame Weise mit dem Kapital über Bande spielenden »Kaisers« Napoleon III., jenes frühen Helden des Staatsstreichfans Carl Schmitt. Hagedorns Sympathie für Offenbachs mitreißend aufmüpfige Musik ist offenkundig, er zeigt eine intime Vertrautheit mit den Noten, die auf des Autors Zweitberuf verweist – er ist auch Bratschist. Als Louis Napoleon 1851, die 48er Revolution konternd, der kurzen zweiten Republik den Rest gibt, indem er sich für 20 Jahre an die Spitze Frankreichs putscht, liegt – knüpf! – der arme Heine schon in seiner Matratzengruft, aus der er fünf Jahre später in den Dichterhimmel hinüber wechselt.


    1860 kommt Friedrich Engels zu Wort. Ihm war zu den sozialen Folgen des Baus der eleganten, barrikadenuntauglich breiten Pariser Boulevards des Architekturbarons Georges-Eugène Haussmann aufgefallen: »Die Brutstätten der Seuchen, die infamsten Höhlen und Löcher, worin die kapitalistische Produktionsweise unsere Arbeiter Nacht für Nacht einsperrt, sie werden nicht beseitigt, sie werden nur – verlegt!«


    Lange im Ohr

    Mit der Ankunft des jungen Berlioz in Paris und dem Tod Napoleons auf St. Helena beginnt das Buch. Es erzählt, Hagedorn zitiert noch einmal Victor Hugo, eine »Übergangszeit«. Die geht 1871 mit Beginn der Dritten Republik zu Ende. Das Massaker der in diesem Punkt klassensolidarisch vereinten französisch-preußischen Kriegsgegner an etwa 70.000 bewaffneten Arbeitern der Pariser Kommune bleibt unerwähnt. Die »Belagerung durch die Preußen« erscheint Volker Hagedorn gleichwohl als allzu »dumpfer Schlussakkord«. Das Buch endet 1867 mit Berlioz’ letzter Eisenbahnfahrt, mit dem traurigen Tod seines Sohnes und einem liebevollen Blick des alten Berlioz und seines Autors auf seinen jungen, hochbegabten Kollegen Camille Saint-Saëns. Der Klang von Paris, musikhistorisch populär und üppig orchestriert, bleibt nach Lektüre dieses Buches lang im Ohr.


    Quelle: https://www.jungewelt.de/artik…n-nur-den-mantel-aus.html

    Aus: Ausgabe vom 09.05.2020, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

    JW-WOCHENENDGESCHICHTE

    »Wir breiten nur den Mantel aus …«

    »Der Klang von Paris«: Ein Spaziergang durch die Musikhauptstadt des 19. Jahrhunderts

    Von Stefan Siegert


    Paris von 1868 (mit Arc de Triomphe)


    Stefan Siegert ist Autor und Zeichner und lebt in Hamburg. Er schreibt regelmäßig im Feuilleton der jungen Welt, zumeist über Musik. Auf diesen Seiten erschien zuletzt in der Ausgabe vom 21./22. Dezember 2019 Gedanken zu Beethovens »Leonore/Fidelio«-Oper.


    Nadar war immer für eine Sensation gut. Am 18. Oktober 1863 lässt er 200.000 Zuschauer unter sich. Richtig gelesen. Unter sich. Denn die Menschen werden langsam immer kleiner, während sich Nadars riesiger Heißluftballon »Le Géant«, windbedingt weniger langsam als gedacht, vom Pariser Startplatz, dem Marsfeld, entfernt und Richtung Kanalküste entschwebt.


    Nadar, er heißt eigentlich Félix Tournachon, wurde als einer der ersten Fotografen der Kunstgeschichte weltberühmt. Er war auch Karikaturist, Satiriker, Romancier; als Jungverleger brachte er eine Novelle Balzacs heraus. Was er macht, bringt Geld. So kann er, der befreundete Jules Verne hat ihn dazu angeregt, 1863 mit dem Riesenballon auf die Reise gehen. Sechs Schlafkammern, Küche und Bad, Druckerpresse, Fotolabor und sogar einen Weinkeller hat das Fluggerät an Bord. Noch in derselben Nacht sichten die Luftreisenden Brüssel. Weit unter ihnen Holland, das offene Meer, es leuchtet im Morgenlicht. Irgendwann ein Fluss, es könnte die Weser sein. Dann ein Sturzflug, ein Sturm, sie rasen auf die Erde zu, knapp unter ihnen zwei galoppierende Pferde, von rechts hinten eine Lokomotive, Turbulenzen ohne Ende. Aber der Ballon bleibt, vom Wasser irgendwie gebremst, schließlich im kleinen Flüsschen Alpe hängen. Alle wohlauf.


    Ist es Zufall? Das kleine Flüsschen liegt zehn Kilometer vom Schreibtisch und Wohnort Volker Hagedorns entfernt, der das alles in seinem, gerade in zweiter Auflage herausgekommenen Buch »Der Klang von Paris« zusammengetragen und aufgeschrieben hat. Mit dem Ballonflug 20 Seiten vor Ende seiner 350 Seiten starken Riesenarbeit, hat sich Hagedorn einen der echten Höhepunkte bis zuletzt aufgehoben.


    Dass er es schafft, am Ende noch sich selbst mit seiner Erzählung zu verbinden, ist Gipfel größter Verknüpfungskunst. Unmengen aus Internet und Bibliotheken zusammengesuchten und vor Ort recherchierten Materials finden im »Klang von Paris« folgerichtig, über längere Strecken romanhaft, informativ und unterhaltsam zusammen.


    Hagedorn, wäre er zur Zeit seiner Erzählung geboren, wäre da, wo er jetzt lebt, ein Landeskind des Königreichs Hannover gewesen. Knüpf! Schon ist über den blinden Welfenkönig Georg V. der Bogen zu einer der Hauptfiguren des Buches geschlagen, dem Komponisten Hector Berlioz, den der blinde hannoversche König, so etwas gab es einmal, hoch verehrte.


    Den Ballonflug vorbereitet hatte Hagedorn im Verlauf eines Tischgesprächs zwischen – knüpf! – dem Opernkomponisten Giacomo Meyerbeer und seinem Kollegen, dem Goethe-Bewunderer Berlioz mit dem – knüpf! – »Faust« (dem Berlioz ein Werk widmete): »Wir breiten nur den Mantel aus, der soll uns durch die Lüfte tragen«, zitiert Berlioz im Vorausblick auf Nadar gegenüber Meyerbeer Mephisto. Goethe, 1832 gestorben, ragt noch als Zeitgenosse in Hagedorns 1821 beginnende Paris-Geschichte hinein.


    Ein Wimpernschlag

    Es ist die Geschichte der Stadt des für einen wimpernschlagkurzen Moment revolutionären Bürgertums und eines mit ihm und seiner Ökonomie wachsenden Proletariats, das sich im Verlauf der Erzählung zweimal revolutionär erhebt – ein vor allem musikalisches Panorama der Metropole an der Seine als Hauptstadt der europäischen Musik im 19. Jahrhundert, Hotspot auch der vorwärtsweisenden Literatur, Malerei und Tanzkunst des alten Kontinents in dieser Zeit.


    Darüber, so Hagedorn im Nachwort, denkt man in Deutschland traditionell etwas anders. Nicht zuletzt dank Richard Wagner. Er war mit dem Versuch, sich in Paris durchzusetzen, krachend gescheitert, und »redete später wirkungsvoll klein, was er der europäischen Metropole verdankte«. Das Deutsche, möchte man ergänzen, auf das sich nicht unerhebliche Teile einheimischer Musikwissenschaft beim Kleinreden der Bedeutung nichtdeutscher Musik im 19. Jahrhundert berufen, war vor 1871 staatlich und auch sonst weitgehend fiktiv; und fand mit Beethoven, Brahms und dem, da Salzburg bis 1803 zu Bayern gehörte, etwas provokant den Deutschen zuzurechnenden Mozart, in sehr vielen seiner größten Musikleistungen in Wien statt. Musikalisch waren München, Leipzig, Weimar oder Berlin trotz der Weltgeltung von Komponisten wie Bach, Schumann, Mendelssohn oder Weber international ohnehin eher zweitrangig.


    Auch Hector Berlioz, Hagedorn hebt ihn als einen der ganz Großen der europäischen Musik nachdrücklich hervor, zählte lange Zeit zu den von der deutschen Musikwissenschaft Vernachlässigten. Es gehört zur Ironie der Musikgeschichte, dass er zu Lebzeiten im Ausland, in Deutschland besonders von Franz Liszt in Weimar, begeistert gefeiert, in seiner Heimat dagegen lange Zeit eher ungenügend gewürdigt wurde.


    Mit ihm beginnt Hagedorns Liebeserklärung an Paris. Berlioz bleibt eine der Hauptfiguren des Buchs bis er 1867 – nicht mehr in der Billigkutsche im Verlauf vierer Tage und Nächte, sondern mit der Eisenbahn in elf Stunden – die Strecke von seiner Heimatregion am Fuß der französischen Alpen bis Paris zum letzten Mal zurücklegt. Die Eisenbahn, Symbol zu Beginn des 19. Jahrhunderts explodierender Produktivkräfte, das Verkehrsmittel der bürgerlichen Eisenzeit, taucht, von Hagedorn vermerkt, auch im Kommunistischen Manifest auf, Marx und Engels haben es 1848 in Paris verfasst. Die beiden sind mit dem an der Seine lebenden Heinrich Heine befreundet. Meyerbeer und Marx, liest man erstaunt, kennen und schätzen sich 1848 seit vier Jahren. Immer wieder wirft der Autor Blicke auch auf jene drei Fünftel der Pariser Bevölkerung, denen eine Historiografie keine Aufmerksamkeit schenken mag, die sich seit je auf Feldherren und Dynastien beschränkt. »Les Misérables«, wie sie im Roman Victor Hugos heißen, haben kein Geld für Kultur, sie sind mit dem Überleben beschäftigt. In den Armutsquartieren der Île de la Cité teilen sich zwölf Mieter sechs Betten, 60 Menschen müssen mit einer Toilette auskommen. »Von je 170 Einwohnern«, schreibt Hagedorn, »kann im Jahr 1839 gerade mal einer die 200 Francs aufbringen, deren Zahlung zur Wahl der Abgeordneten berechtigt. Es ist also das Großbürgertum, das die Gesetze macht, es sind Grundeigentümer, Kaufleute, Beamte, Industrielle.«

    Cadaqués ist heute ein Fischerdorf mit etwa 2.600 Einwohnern in der Provinz Girona in Katalonien, dessen Stadtgebiet sich über große Teile der Küste der Costa Brava am Mittelmeer am Massiv von Kap de Creus erstreckt. Cadaqués war am Ende des 19. Jahrhundert aufgrund seiner Lage praktisch abgeschnitten von der restlichen Empordà. Wurden die Weine aus Cadaqués im 18. Jahrhundert teuer gehandelt und geschätzt, so ruinierte ein massiver Reblausbefall die Weingärten des Ortes zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Bewohnern blieb fast nur die gefährliche Korallenernte als Möglichkeit, ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen.


    Im September 1857 kehrte Narcis de Monturiol nach Barcelona zurück und organisierte dort die Gründung der ersten spanischen Handelsgesellschaft zur Erforschung von Unterseebooten. Sie trug den Namen „Monturiol, Font, Altadill y Cia“. und verfügte über ein Gründungskapital von 10.000 Peseten.


    Im Jahr 1858 schließlich stellte er sein Projekt in der wissenschaftlichen Abhandlung Ictineo vor. Die erste Tauchfahrt des Prototyps Ictineo I fand im September 1859 im Hafen von Barcelona statt. Dabei stellte sich heraus, dass die Konstruktion des U-Bootes noch nicht ausgereift war. Insbesondere der Antrieb, welcher traditionell über Handkurbeln erfolgte, vermochte den Erfinder nicht zufrieden zu stellen. Weitere Jahre intensiver Arbeit vergingen, überschattet von finanziellen Problemen, mit denen sich Narcis de Monturiol ein Leben lang herumschlagen sollte.


    Doch am 2. Oktober 1864 schließlich war es dann soweit. Die Ictineo II ging auf ihre Jungfernfahrt. Dieses U-Boot war das weltweit erste Modell seiner Art mit einem maschinellen Antrieb. Es wurde durch einen anaerobischen, Magnesiumperoxid, Zink und Kaliumchlorat verarbeitenden Motor angetrieben. Die Ictineo II war 14 m lang, 2 m breit, 3 m hoch und wog rund 46 Bruttoregistertonnen. Sie wurde aus massivem Olivenholz gebaut, verstärkt durch Eichenholz und Kupferzargen und wurde anschließend mit 2 mm dicken Kupferplatten beschlagen. Die Besatzung der Ictineo II hatte eine Stärke von 7 Mann. Eine der Besonderheiten des U-Bootes war der anaerobische Antrieb sowie die Lösung des Problems, wie Sauerstoff in einem hermetisch abgeschlossenem Raum erneuert werden konnte. Der auf Magnesiumperoxid basierte Motor, den Monturiol konstruiert hatte, produzierte bei der chemischen Reaktion genügend Hitze, um Wasserdampf zu erzeugen. Als Abfallprodukt fiel Sauerstoff an, der in speziellen Tanks aufgefangen wurde und auf diese Weise anschließend für Atemluft sorgte. Anaerobie (v. lat. aer „Luft“) bezeichnet Reaktionsbedingungen, die in Abwesenheit von Sauerstoff ablaufen. Anstelle von Sauerstoff als Elektronenakzeptor dienen hierbei Verbindungen mit ähnlich hohem Redoxpotential als Elektronenakzeptoren.


    Die Ictineo II war nicht nur das erste maschinell angetriebene U-Boot der Welt, sondern anders als all ihre Vorgänger ausschließlich für den zivilen Einsatz bestimmt, den sie mit Bravour meisterte. Das U-Boot wurde zum unentbehrlichen Arbeitspferd der Korallenfischer von Cadaques. Es stand unglaubliche 73 Jahre (von 1864 bis 1937) in Dienst. Die längste Tauchfahrt der Ictineo II dauerte mehr als sieben Stunden. Die einfache und robuste Technik des Bootes sorgte für einen weitgehend störungsfreien Betrieb. So blieb die Ictineo II auch von Katastrophen, wie sie den „Brandtaucher“ oder die „Hunley“ ereilten, verschont. Heute können Nachbildungen der Ictineo I im Museo Maritimo und der Ictineo II im Hafen von in Barcelona besichtigt werden. Das Museo Maritimo widmet darüber hinaus dem katalanischen Erfinder einen eigenen Raum im Rahmen seiner Seefahrtsausstellung.


    Der revolutionäre Ansatz Narcis de Monturiols wurde allerdings von anderen U-Boot Konstrukteuren weder aufgegriffen noch weiter verfolgt. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, doch höchstwahrscheinlich hing die Nichtbeachtung der Erfindung des katalanischen Advokaten unmittelbar mit seinen politischen Ansichten zusammen. Zeitlebens ergriff Narcis de Monturiol Partei für die sozial Schwachen und Entrechteten, kritisierte in seiner Zeitschrift „Fraternidad“ schonungslos die Missstände der spanischen bürgerlichen Gesellschaft und machte aus seiner sozialistischen Einstellung keinen Hehl. Dies brachte ihn zwangsläufig des öfteren in Konflikt mit den Behörden und trug ihm gesellschaftliche Ausgrenzung ein, die sich offensichtlich auch auf seine bahnbrechende Erfindung erstreckte. In Katalonien gilt Narcis de Monturiol y Estarioll noch heute als Volksheld, im übrigen Europa ist er vergessen. Seine Erfindung jedoch lebt in der „Nautilus“ fort, jenem U-Boot, das Jules Verne für seinen Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ ersann. In der Tat übt der eigentümliche Widerspruch zwischen der Nostalgie des 19. Jahrhunderts und dem futuristischen Szenario in Verne’s Romanen einen großen Reiz aus. In einer Zeit der Pferdefuhrwerke, Petroleumlampen, Seuchen und Armut solche Dinge wie die „Propellerinsel“ oder die „Nautilus“ zu ersinnen, war sicher genial. Doch wirklich erfunden oder vorhergesehen hat Jules Verne die meisten Zukunftstechnologien in seinen Romanen nicht. Es gab zu Lebzeiten Vernes bereits Ballone und Luftschiffe, auch dampfgetriebene Automobile und elektrische Motoren. Der Stapellauf der Ictineo II erfolgte bereits 1864, 4 Jahre bevor Jules Verne die „Nautilus“ ersann.


    Verne’s Verdienst war es jedoch, all die technologischen, biologischen und geographischen Entdeckungen seiner Zeit wachsam zu verfolgen, sorgsam zu archivieren und phantasiereich in futuristische Handlungen einzuflechten. Er arbeitete die fortschrittliche Technik des 19. Jahrhunderts in seine Romane ein – ebenso wie heutige Science-Fiction-Autoren aktuelle Technologien aufgreifen und daraus ihre Zukunftsvisionen schaffen. In einer amerikanischen Verfilmung aus den 50er-Jahren wird angedeutet, Kapitän Nemo’s Nautilus habe einen atomaren Antrieb, seitdem hört man oft, Jules Verne habe die Atomenergie vorhergesehen. Doch in dem Roman „20.000 Meilen unter den Meeren“ kommt kein Nuklearantrieb vor, dort ist von Bunsenschen Batterien, Natriumreaktionen und mechanischen Hebelwerken die Rede. Manches von Jules Verne’s Ruf als Prophet ist also übertrieben, was seine Phantasieleistung jedoch in keiner Weise mindert.


    Der Verne-Forscher und Biograph Volker Dehs schreibt in seinem Buch „Jules Verne“ dazu: „… das die technischen Vorwegnahmen der Außergewöhnlichen Reisen ihre Quellen in populärwissenschaftlichen Darstellungen aus Zeitungen und Zeitschriften finden, die ausnahmslos in den Jahren zwischen 1850 bis 1870 die öffentliche Diskussion beherrscht haben. Wirklich neu ist allenfalls die herausragende Rolle, die er im Gegensatz zur Dampfkraft der Elektrizität zuweist.“


    Die Elektrizität spielte jedoch auch beim Betrieb der „Ictineo II“ eine wesentliche Rolle, so dass dieses U-Boot in der Tat als Vorbild der Nautilus gelten kann. Da Jules Verne technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen gegenüber stand und spätestens seit der Weltausstellung von 1867 die Beschäftigung mit der Erforschung der Meerestiefen zum allgemein beliebten Thema geworden war, erscheint es nur logisch, dass er bei seiner Recherche auch auf die Erfindung Narcis de Monturiols gestoßen ist, die ihn so faszinierte, dass er sie zum Thema seines Romans „20.000 Meilen unter dem Meer“ machte. Möglicherweise nahm er auch einige Charaktereigenschaften des Erfinders Monturiol zum Vorbild für die Figur des Misanthropen Nemo, denn als praktizierendem Katholiken dürften Verne die sozialistischen Ideen Monturiols verdammenswert erschienen sein. Doch im Gegensatz zu der von Rachegelüsten und Weltverneinung erfüllten Romanfigur Nemo ging es Narcis de Monturiol mit seiner Erfindung der „Ictineo II“ ausschließlich um die Erleichterung der gefährlichen Arbeit der Korallenfischer von Cadaques – ein Ziel, das er trotz aller Schwierigkeiten schließlich erreichte.


    Die „Ictineo II“ ist somit nicht nur ein Meilenstein in der technischen Entwicklung der U-Boote, sondern auch ein Beispiel dafür, dass menschlicher Erfindergeist stets dem Nutzen für die Allgemeinheit verpflichtet sein sollte, anstatt der Schaffung immer neuer und gefährlicherer Waffen. Die humanistischen Ideale eines Narcis de Monturiol sind keine romantischen Schwärmereien des 19. Jahrhunderts, sondern brandaktuell gerade in unserer Zeit.


    https://www.thomas-ritter-reisen.de


    Verwendete Literatur:

    Dehs, Volker, Jules Verne, Artemis & Winkler, 2005

    Hanke, Helmut, Männer, Planke, Ozeane, Urania Verlag, Leipzig Jena Berlin, 1964

    Stewart, Matthew, El Sueno de Monturiol, taurus historia, Madrid, 2004

    Alle Fotos: Thomas Ritter


    Quelle: https://www.tabularasamagazin.…as-vorbild-der-nautilaus/

    Ictineo II – Das Vorbild der Nautilaus

    DAS ERSTE MASCHINELL ANGETRIEBENE U-BOOT DER WELT, AUSSCHLIESSLICH FÜR DEN ZIVILEN EINSATZ

    19. Mai 2020 Thomas Ritter


    Ictineo II im Einsatz. Bild: Thomas Ritter


    In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts erschütterten merkwürdige Zeitungsmeldungen die zivilisierte Welt. Ein mysteriöses „Seeungeheuer“ griff bevorzugt Kriegsschiffe der Kolonialmächte an und beförderte sie reihenweise auf den Meeresgrund. Um dieses Ungeheuer unschädlich zu machen, wurde eine Expedition unter der Leitung des Meereskundlers Professor Aronnax entsandt….


    So beginnt der Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“, den der bekannte französische Schriftsteller Jules Verne im Jahr 1870 veröffentlichte. Das Buch gehört auch heute noch zu den am meisten gelesenen Werken der phantastischen Literatur. Jules Vernes Geschichte um den menschenscheuen Kapitän Nemo und sein geheimnisvolles U-Boot „Nautilus“ hat Generationen von Lesern begeistert.


    Es sollte allerdings noch mehr als 80 Jahre dauern, ehe tatsächlich ein U-Boot gleichen Namens jene Leistungen vollbringen konnte, die an Jules Vernes Schöpfung so faszinierten. Bei diesem Schiff handelte es sich um das erste durch Kernkraft angetriebene U-Boot der Welt, die Nautilus SSN-571. Dieses für die US Navy in der Zeit von 1952 bis 1954 gebaute Boot war mit 97,5 Meter Länge und 8,1 Meter Breite zwar nicht viel größer als damalige dieselelektrische Boote, überragte diese aber durch seine Schnelligkeit und der Fähigkeit, technisch „fast unbegrenzt lange“ zu tauchen.


    Der Wunsch des Menschen, länger und tiefer als es die Atemluft zulässt zu tauchen, ist etwa genauso alt wie der Wunsch zu fliegen. Deswegen beschäftigten sich schon immer Forscher und Erfinder damit, entsprechende Vorrichtungen oder Instrumente zu entwickeln, die dies ermöglichen sollten. Aus der Antike liegen diesbezüglich Berichte von Aristoteles und Plinius dem Älteren vor. Selbst Alexander der Große soll bereits Tauchversuche im Mittelmeer unternommen haben. Das bekannteste und auch heute noch verbreiteste „Instrument“ dafür ist ein Schnorchel in der „richtigen“ Länge, da das Tauchen mit einem zu langen Schnorchel (> 30 cm) lebensgefährlich wird. Das liegt daran, dass bei zu langem Schnorchel, das in ihm enthaltene Luftvolumen nicht mehr deutlich kleiner ist als der menschliche Lungeninhalt und so mit wachsender Länge des Schnorchels immer mehr verbrauchte Luft eingeatmet wird – man spricht von so genannter „Pendelluft“. Ebenfalls sehr alt sind Gewichtsgürtel, die es vor allem gut trainierten Tauchern (etwa Schwamm- oder Perlentauchern) erleichterten, länger unter Wasser zu bleiben, ohne ständig gegen den kraftraubenden Auftrieb ankämpfen zu müssen.


    Die Geschichte des technisch geprägten Tauchens begann mit dem 15. Jahrhundert. So entwarf 1405 der Nürnberger Kriegsbaumeister Konrad Kyeser in seinem Werk Bellifortis einen ersten Tauchanzug. Bereits 1515 konstruierte Leonardo da Vinci auf dem Reißbrett ein Ein-Mann-Tauchboot. Diese Ideen wurden weiter vorangetrieben, und 1604 fasste der Universitätsprofessor Magnus Pegel erstmalig in einem Buch die Grundgedanken zusammen und beschrieb darüber hinaus die technischen Voraussetzungen für den Bau eines Tauchbootes. Der niederländische Erfinder Cornelis Jacobszoon Drebbel ging schließlich als erster über die bloße Theorie hinaus und baute im Jahre 1620 das erste manövrierbare Unterwasserfahrzeug. Dabei handelte es sich um ein mit Leder überzogenes Holzruderboot. Im Auftrag des Landgrafen von Hessen konstruierte 1691 der französische Physiker Denis Papin, der auch Professor an der Philipps-Universität Marburg war, ein Tauchboot, welches den anschließenden Test im Jahr 1692 jedoch nicht überstand und beim ersten Tauchversuch zu Bruch ging. Dennoch hatte die Idee, ein Unterwasserfahrzeug zu bauen, inzwischen weltweit Erfinder motiviert, und führte 1772 dazu, dass im Steinhuder Meer das erste Tauchboot Deutschlands getestet wurde. Es war aus Holz und hatte die Form eines Fisches, weshalb es den Namen „Hecht“ erhielt. Mit dem Boot wurde etwa 12 Minuten getaucht, während es von Segeln an der Wasseroberfläche angetrieben wurde. Der Amerikaner David Bushnell stellte1776 die „Turtle“ („Seeschildkröte“) vor, eine Konstruktion aus Eisen und Eichenholz, die heute als erstes richtiges U-Boot gilt, da sie sich autark fortbewegen konnte. Ihr dienten als Antrieb zwei über Handkurbeln betriebene Schrauben. Sie wurde nicht wie all ihre Vorläufer durch ein Segel oder Ruderer an der Wasseroberfläche angetrieben. Im Jahr 1799 dann beschrieb der Bergmeister Joseph von Baader eine Konstruktion für ein Zwei-Mann-U-Boot.


    Der Amerikaner Robert Fulton entwarf 1801 das U-Boot „Nautilus„. Es besaß einen Handkurbelantrieb für eine Schraube, neu hinzu kamen jedoch Ruder zur Seiten- und Tiefensteuerung sowie ein Druckluftsystem zur Versorgung der dreiköpfigen Besatzung mit Atemluft. Die „Nautilus“ erregte sogar die Aufmerksamkeit Napoleons, galt aber schließlich für militärische Einsätze als zu langsam. 1850 ließ der bayerische Artillerie–Unteroffizier Wilhelm Bauer das erste von August Howaldt in Deutschland gebaute U-Boot zu Wasser, den so genannten „Brandtaucher“. Da der Entwurf unter enormem Kostendruck gebaut wurde, verzichtete man sowohl auf Tauchzellen als auch auf verschiebbare Trimmgewichte. Der Tauchvorgang sollte durch das Fluten von Wasser in das Boot erfolgen. Beim ersten Tauchversuch am 1. Februar 1851 in der Kieler Innenförde verschob sich jedoch der Ballast nach achtern, wobei das geflutete Wasser ebenfalls ins Heck floss. Das Boot sackte daraufhin durch, und weiteres Wasser drang durch die Nähte der Außenhaut und das Einstiegsluk. Das Boot sank bis auf den Grund bei ca. 20 Metern Wassertiefe. Die dreiköpfige Besatzung, unter ihnen Wilhelm Bauer, wartete, bis der Innendruck so groß war wie der Außendruck, öffnete das Einstiegsluk und trieb an die Oberfläche, wo sie gerettet wurde. Der verunglückte „Brandtaucher“ wurde erst im Jahr 1887 geborgen. Nach verschiedenen Museums-Stationen hat das älteste erhaltene Tauchboot der Welt nun seine Heimat im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden gefunden.


    Während des amerikanischen Bürgerkrieges wurden 1864 mehrere handgetriebene U-Boote gebaut, so auch die C.S.S. H. L. Hunley. Am 17. Februar 1864 versenkte diese das gegnerische Schiff U.S.S Housatonic und gilt somit als erstes U-Boot der Welt, das ein anderes Schiff zerstört hat. Bei dieser Aktion ging das U-Boot allerdings mitsamt seiner neunköpfigen Besatzung verloren. Erst am 4. Mai 1995 wurde die C.S.S. Hunley gefunden und geborgen.


    Diese kurze Zusammenfassung der Entwicklungsgeschichte der U-Boote weist auf ein entscheidendes Merkmal hin, welches alle Konstruktionsversuche verbindet. Stets gingen die Erfinder von einer militärischen Verwendung ihrer Konstruktionen aus. Dies war auch der Grund, welcher Leonardo da Vinci bewog, sein am Reißbrett entworfenes U-Boot schließlich doch nicht zu bauen. Er fürchtete „die abgrundtiefe Boshaftigkeit der Menschen, welche mit dieser Erfindung in der Lage wären, sich auch noch am Grunde des Meeres umzubringen“. Die weitere Entwicklung der U-Boote sollte dem genialen Renaissancekünstler Recht geben.


    Doch zu allen Zeiten hat es auch rühmlich Ausnahmen von der allgemeinen Regel gegeben, zumeist einzelne Entwicklungen, denen es letztlich nicht beschieden war, sich durchzusetzen, und die dennoch einen bedeutenden Schritt in der Geschichte des technischen Fortschritts darstellen. Dazu gehören auch die Erfindungen des heute weitgehend in Vergessenheit geratenen katalanischen Erfinders Narcis de Monturiol y Estarriol (* 28. September 1819 in Figueres/Spanien; † 6. September 1885 in Barcelona).


    Obwohl Monturiol 1845 sein Studium der Rechtswissenschaften in Barcelona erfolgreich beendete, arbeitete er niemals als Jurist. Durch seine Freundschaft mit Abdó Terrades kam er der Republikanischen Partei Spaniens näher und schloß sich dieser an. Darüber hinaus sympathisierte er auch mit den utopischen sozialistischen Ideen des Franzosen Étienne Cabet. Daher unterstütze er die katalanische Unabhängigkeitsbewegung, was ihn schließlich ins Exil nach Frankreich zwang.


    Nach seiner Rückkehr absolvierte er eine Ausbildung als Schriftsetzer und veröffentliche die Schriften „La madre de familia“ (Die Mutter der Familie, ab 1846) und „La Fraternidad“ (Die Brüderschaft, 1847–1848), welche die erste kommunistische Zeitung Spaniens wurde. Bei seinem Aufenthalt in Cadaqués konnte er die Taucher bei ihrer gefährlichen Arbeit der Korallenernte beobachten und wurde so auch Zeuge eines tödlichen Unfalls, als ein Taucher dabei ertrank. Dieses Erlebnis veranlaßte ihn dazu, über die Möglichkeiten einer ungefährlicheren Korallenernte durch Unterwasserfahrzeuge nachzudenken.

    FAMILIENAUSSTELLUNG AUF FESTUNG EHRENBREITSTEIN ÖFFNET



    Landesmuseum zeigt "Ravensburger Spielewelten"

    Das Landesmuseum auf der Festung Ehrenbreitstein und das Schloss Stolzenfels sind in Koblenz ab jetzt wieder für Besucher geöffnet. Im Landesmuseum ist zum ersten Mal die Familienausstellung "Ravensburger Spielewelten" zu sehen.


    Wer kennt sie nicht? Die Gesellschaftsspiele von Ravensburger. Heute vermarktet der Ravensburger-Verlag mehr als 800 verschiedene Spieletitel und Puzzles.

    Wie entsteht ein Spiel und warum passt ein Puzzleteil genau ins andere? Das wird den Besuchern in der neuen Sonderausstellung des Landesmuseums gezeigt - alles unter strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. An den Eingängen wird nach Angaben des Museums darauf geachtet, dass nicht zu viele Besucher in die Ausstellungsräume kommen. Es gebe zunächst auch keine Gruppenführungen, Workshops oder Mitmachaktionen.



    Der erste große Erfolg des Spieleerfinders und Firmengründers: Otto Maier. "Die Reise um die Erde" kam 1884 auf den Markt.



    Das Brettspiel wurde dem gleichnamigen Roman von Jules Verne nachempfunden und lädt die Spieler ein, fremde Länder zu erkunden.


    Das erste Ravensburger Brettspiel: Reise um die Erde

    Direkt am Eingang des Museums stehen Spiele-Klassiker wie "Fang den Hut" oder "Malefiz". Daneben wird das erste Brettspiel gezeigt, das der Unternehmensgründer des Familienkonzerns aus Oberschwaben erfand: Die Reise um die Erde.

    Das Brettspiel sei 1884 auf den Markt gekommen und habe für den ersten Erfolg des Spieleerfinders gesorgt, erklärt der Direktor des Landesmuseums auf der Festung Ehrenbreitstein, Andreas Schmauder: "Das Spiel wurde nach dem gleichnamigen Roman von Jules Verne aufgelegt. Es war der Einstieg für das Unternehmen ins Spielegeschäft."


    Maximal 65 Besucher gleichzeitig

    65 Besucher dürfen wegen der Corona-Vorgaben gleichzeitig in die Ausstellung im Landesmuseum, es gilt Mundschutzpflicht. Dort können sie unter anderem an kleinen Tischen Spiele ausprobieren oder sich Bücher anschauen. Museumsdirektor Schmauder stellt klar: "Alles was angefasst wird, wird danach desinfiziert. Wir haben so viele Spiele da, das jeder Besucher sicher sein kann, dass er ein frisches Spiel wieder bekommt."


    Zum Mitmachen lädt auch ein XXL-Puzzle ein - eine Luftaufnahme der Festung mit dem Deutschen Eck. Das Puzzle besteht aus 32.000 Teilen. Jeder Besucher bekommt 100 Puzzlestücke und kann sie auf einem eigenen Puzzlebrett zusammenfügen.


    Seilbahn noch nicht in Betrieb

    Knapp 600 Besucher sollen maximal auf das Festungsgelände gelassen werden. Es gibt separate Ein- und Ausgänge. Neben dem Museum öffnen auch das Restaurant und die Getränkestände auf dem oberen Schlosshof. Größere Veranstaltungen wie etwa das Weltmusikfestival Horizonte sind allerdings bis auf Weiteres verschoben.


    Die Ausstellungsbesucher müssen auch noch darauf verzichten, mit der Seilbahn auf die Festung zu kommen. Bislang steht noch nicht fest, ab wann sie wieder fährt.


    Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/…iele-ausstellung-100.html

    Weiter geht's:


    Donnerstag, 23.04.20

    13:00 - 13:40 Uhr

    40 Min.

    arte


    13:00 UhrStadt Land Kunst

    Jules Vernes Südafrika / Bristol / San Sebastián | arte


    Jules Vernes imaginäres Südafrika

    Bristol und der Sprung in die Moderne

    Diplomatische Havarie in San Sebastián



    Jules Vernes imaginäres Südafrika


    Fantastische Bergreliefs, weite Steppen und endlose Buschlandschaften: Südafrika erfüllt alle Wünsche des abenteuerlustigen Reisenden. Jules Verne war zwar nie in dem Land, doch ließ er sich Ende des 19. Jahrhunderts von seiner überwältigenden Natur inspirieren. Die wilden Landschaften eines imaginären Südafrikas bilden die Kulisse eines seiner weniger bekannten Romane, "Abenteuer dreier Russen und dreier Engländer in Südafrika".


    Bristol und der Sprung in die Moderne


    Bristol im Südwesten Englands war lange Zeit ein blühender Industriestandort. Ihren Erfolg verdankte die Stadt unter anderem einem jungen Ingenieur und Visionär: Isambard Kingdom Brunel. Mitte des 19. Jahrhunderts modernisierte er Bristol, schloss die Stadt ans Schienennetz an, verpasste ihr einen Bahnhof und erfand revolutionäre Schiffe, die dem alten Hafen, ehemals Umschlagplatz für den Sklavenhandel, in Europa zu neuem Glanz verhalfen.


    Diplomatische Havarie in San Sebastián


    La Concha ist ein beliebter Badestrand im nordspanischen San Sebastián. Der zwei Kilometer lange Sandstrand gehört zu den Attraktionen der Baskenstadt. Am Morgen des 8. Mai 1945 fanden die Einwohner von San Sebastián hier das Wrack eines Passagierflugzeugs. An Bord war ein Überlebender, der dem Franco-Regime alles andere als gelegen kam …


    Jeden Tag eine kleine Pause im Alltag: ARTE lädt täglich auf eine Reise an besondere Orte ein, die sich durch ihr künstlerisches, kulturelles oder landschaftliches Erbe auszeichnen. Von Montag bis Freitag, um 13.00 Uhr.


    Quelle: https://programm.ard.de/TV/The…/?sendung=287242879304938

    Andrea Freitag und Nina Lange (v.l.) vom Ensemble „Die Chemiker“ haben eine ungewöhnliche Version von „In 80 Tagen um die Welt“ für das Internet produziert. Foto: Holger Lodahl


    Das Düsseldorfer Schauspiel-Ensemble „Die Chemiker“ hat aus Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ einen ungewöhnlichen Film gemacht. Ab Samstag kann das Werk online gesehen werden.


    Von Holger Lodahl


    Die Liste der Schauspiele ist beeindruckend. Dürrenmatts „Die Physiker“, Shakespeares „Macbeth“ und Goethes „Faust“ hat das Ensemble „Die Chemiker“ schon aufgeführt – insgesamt zehn Inszenierungen. Angst vor Klassikern der Weltliteratur haben sie also nicht, die Freizeitschauspieler um Nina Lange, die im Jahre 2012 die Gruppe gründete.


    „Wir machen das aus Spaß und freuen uns, wenn weniger kulturaffine Menschen durch uns das Theater neu kennen lernen“, sagt sie. Nachdem die Gruppe im Frühjahr noch Molières „Tartuffe“ auf der Bühne im Theatermuseum aufführte, wollte Nina Lange mit ihrer Mitstreiterin Andrea Freitag eigentlich mit der Arbeit und den Proben für ein neues Bühnenstück beginnen. Die Corona-Krise und das Kontaktverbot stoppten diese Pläne aber erst einmal. Jedoch einfach warten bis zum Ende des Shutdowns kam für die beiden jungen Frauen auch nicht infrage. „Schon deshalb nicht, weil unser Schauspiel-Team ungeduldig fragte, wann wir denn weiter machen“, sagt Andrea Freitag.


    So kamen sie und Nina Lange auf die Idee, aus einem Buch der Weltliteratur eine Online-Fassung zu machen. Ausgewählt haben sie „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne. Es geht um einen exzentrischen Briten, der im Jahre 1872 die Wette eingeht, in 80 Tagen die Erde zu bereisen. „Den Roman hatte ich schon vor längerer Zeit zum Theaterstück umgeschrieben, als echte Aufführung aber war die Geschichte immer zu aufwendig“, sagt Andreas Freitag. Immerhin gibt es in dem Abenteuer 48 Rollen, Tiere wie Elefanten und Bisons, lange Zugreisen durch viele Länder und wilde Schießereien. Das Konzept für das Projekt: Neun Schauspieler der Gruppe verkörpern alle Figuren aus „In 80 Tagen um die Welt“ – einige von ihnen nur eine Hauptrolle, andere mehrere kleine Parts. Nina Lange übernahm die Position des Erzählers, der im Laufe der Handlung Schauplätze erläutert oder nicht gezeigte Handlungen zusammenfasst. Das Besondere: Alle neun Schauspieler spielten ihre Szenen am heimischen Schreibtisch vor der Kamera ihres PCs. Andrea Freitag kombinierte mit einer Computersoftware die neun Kameraeinstellungen auf ihrem Bildschirm und speicherte jene Neun-Bilder-Sicht komplett auf. Jeder Akteur sollte sich und die zu sehende Fläche (also kaum mehr als 80 Zentimenter) den entsprechenden Spielszenen nach gestalten – und zwar nur mit Requisiten, die ohnehin in ihren Wohnungen vorhanden waren. Der Einfallsreichtum war groß. Einige Topfpflanzen geschickt platziert, machten aus dem Schreibtisch einen Urwald; ein weißes Taschentuch im Kragen und ein handelsüblicher Hammer reichten als Kostüm für einen Richter; eine aktuelle Ausgabe der Rheinischen Post wurde mit Schlagzeilen aus dem Jahr 1872 überklebt. Für einige Requisiten griffen Andrea Freitag und Nina Lange auf ihr Lager zurück. In einem eigenen Raum nämlich sammeln sie alle Stücke aus den vergangenen zehn Inszenierungen. Ein Globus, eine alte Uhr, eine Melone bekamen neue Aufgaben. Und ganz aktuell verzichtete das Ensemble auf historisches Geld und ließ die Figuren der Geschichte mit Klopapier bezahlen.


    Acht Schauspieler und in der Mitte die Moderatorin: So hat die Gruppe Die Chemiker den Film aufgezeichnet, so wird er auf dem PV online erscheinen. Foto: Die Chemiker


    Diese ungewöhnliche Art des Schauspiels dauerte gute sechs Stunden, in denen manchmal die Internet-Verbindung zusammenbrach, die Schauspieler sich im Text verhaspelten und der Ton ausfiel. Eine mächtige Herausforderung für alle Beteiligten. „Wir haben viel improvisiert und manchen Patzer einfach in der Aufzeichnung gelassen“, sagt Nina Lang. Die sechs Stunden sind per Schnittprogramm nun auf zwei Stunden gerafft. Ab Samstag, 18. April, 19 Uhr, wird „In 80 Tagen um die Welt“ in dieser einmaligen Online-Film-Version auf dem Youtube-Kanal der Schauspielgruppe zu sehen sein.


    Entweder in die Suchmaske „Die Chemiker Theatergruppe“ eingeben oder den Link auf der Facebook-Seite anklicken. Das Team freut sich auf viele Klicks. „Wir hoffen, dass die Zuschauer genau so viel Spaß haben wie wir bei der Aufzeichung“, sagen Andreas Freitag und Nina Lange.


    Quelle: https://rp-online.de/nrw/staed…-duesseldorf_aid-50067291