Naja, das schon - aber zu welchem Preis ?
Das Buch von Giorgio Forgione hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Die These - nein, die Behauptung - dieses Buches lautet, Verne habe nicht technische Prophezeiungen abgesondert (darin ist es immerhin unter entsprechenden Veröffentlichungen recht originell), sondern altes Wissen aus sumerischen Texten "bewahrt" und für die Neuzeit in Romanform umgesetzt, damit es nicht zensiert würde. Selbstverständlich sei er Mitglied eines Geheimbundes gewesen, geheimnisvolle Dokumente seien in Amiens und Nantes gefunden, aber unterdrückt worden , usw. usf.
All das kommt völlig ohne Quellenbelege und Bibliografie aus (um die sich ein Erich von Däniken immerhin noch bemüht hatte), strotzt vor Anachronismen, Fehlbezügen und reinen Erfindungen, die als Fakten ausgegeben werden, die - natürlich - von der offiziellen Forschung oder den involvierten Staaten der Öffentlichkeit vorenthalten wurden. Kennt man ja von den Verschwörungsschwurbeleien. Wenn der Autor sich auf Vernes Romane bezieht oder gar aus ihnen zitiert, sind die Zitate manipulativ oder erfunden und haben meist keinerlei Bezug zu den Originaltexten.
Spaßeshalber ein kleines harmloses Beispiel, das mir wegen seiner Zahlenspielerei gefällt:
"'Zwanzigtausemd Meilen unter dem Meer' umfasst in der Originalfassung exakt 144 Kapitel - eine Zahl, die dem Quadrat von 12 entspricht, einer Grundzahl babylonischer Numerologie." (S. 26)
Nun kenne ich mich nicht mit der babylonischen Numerologie aus und weiß auch nicht, auf welche "Originalfassung" des Romans sich der Verfasser bezieht, aber Vernes Doppelband umfasst leider nur 47 (24 + 23) Kapitel, die beiden Manuskripte (Originalfassungen"?) weichen nur unwesentlich davon ab.
Vielleicht als Däniken-Parodie ganz lustig, aber sonst der reinste Humbug, der Jules Verne sehr amüsiert haben würde! Mich hat's auch belustigt, aber das Geld kann man sich sparen und sollte sich lieber 3 oder 4 Eis kaufen.