Ahab - The Coral Tombs

  • Ahab - The Coral Tombs


    Konzertfoto von Ahab - Summer Breeze Open Air 2019Konzertfoto von Ahab - Summer Breeze Open Air 2019Konzertfoto von Ahab - Summer Breeze Open Air 2019


    Gut Doom will Weile haben, man kann es aber auch übertreiben. Für ihr fünftes Album „The Coral Tombs“ haben sich AHAB wahrlich zu viel Zeit gelassen, der Vorgänger „The Boats Of The Glen Carrig“ stammt immerhin von 2015. Was sich wohl inzwischen bei den Nautik Doomern getan hat?


    Eine Reise mit Kapitän Nemo

    AHAB entführen uns mit ihrem neuen Album „The Coral Tombs“ wieder einmal in die Weiten und Tiefen der Ozeane. Konzeptionell und inhaltlich ist das Werk inspiriert vom Romanklassiker „20.000 Meilen unter dem Meer“, der bekannten Geschichte vom tragischen Kapitän Nemo, welcher der Zivilisation entsagte, seinem Unterseeboot Nautilus und Professor Arronax, erzählt von Jules Verne. Die seit Bandgründung gelebten Bezüge auf maritime Romane sind fast schon Alleinstellungsmerkmal bei AHAB und tragen nicht unwesentlich zur gesamten Atmosphäre bei.


    In die Geheimnisse der Meerestiefen – „The Coral Tombs“ von AHAB

    Einem Mahlstrom gleich ziehen AHAB auch musikalisch mit extremer, bedrückender Heavyness ihres ureigenen Funeral / Death Doom Metals in die dunklen Abgründe der Tiefsee, so gewaltig, wie die Ozeane selbst, entführen aber mit weitläufigen Melodien gleichzeitig in die schiere weite Endlosigkeit der See, was zu epischen, facettenreichen Stücken führt, die entsprechend angereichert, entwickelt und erweitert mit gewachsener Bandbreite längst dem starren Subgenre-Korsett entflohen sind.


    So beginnt „The Coral Tombs“ überraschend mit dem epischen „Prof Arronax‘ Descent Into The Vast Ocean“ mit einem tatsächlich recht untypischen AHAB Song, zumindest teilweise. Hier treffen nämlich Black Metal in Form von Blastbeats sowie erschütternde Gast-Screams von Chris Noir (ULTHA), was dem Sound von AHAB einen neuen Akzent gibt, auf die charakteristisch tiefen Growls von Daniel Droste und einer Flut von kantigen Riffs, melancholische Melodien, ruhigere Parts mit klagevollem Klargesang. Das fesselnde Stück zwischen unheimlichen, dunkelsten Abgründen und epischer Erhabenheit baut mit seiner alles einhüllenden Melancholie schnell eine dichte Atmosphäre auf, der Hörer taucht in die tragische Geschichte ein, Gänsehaut! „Colossus Of The Liquid Graves“ klingt, wie es der Songtitel verspricht und behandelt die Dunkelheit und Schuldgefühle in Nemos Seele. Mächtig und gleichzeitig hochmelodisch führt das dynamische Stück die Spannung des Openers fort. Fieser, qualvoller und böser tönt da das rauere, schwerere „Mobilis In Mobili“ mit wuchtigem Schlagzeugspiel, zähflüssigen, verstörenden Doom-Riffs und abgründigen Growls, abgerundet mit elegischen Gitarren und Chorgesang, hat im Mittelteil was von OPETH.


    Weitere Höhepunkte auf „The Coral Tombs“ sind der epische Titelsong, pendelnd zwischen zäh, ruhig bis aufbrausend heftig, sowie das abschließende Finale „Maelstrom“ klagendem, jammernden Gesang, wunderbaren Gitarrenmelodien sowie Gastgesang von ESOTERIC-Veteran Greg Chandler. Während Nemo die Nautilus in das wirbelnde Chaos des „Maelstrom“ steuert, steigert sich auch die Musik, wird wilder, zerstörerischer bis hin zum emotionalen Ende. AHAB verstehen es auch hier wieder, tiefe Verzweiflung, nacktes Grauen und erhabene Finsternis zu zeichnen.


    Das neue Album zeichnet sich auch dadurch aus, dass Daniel Droste seine klare Stimme effektiver und selbstsicherer als in der Vergangenheit einsetzt. AHAB setzen auch bei den Gitarren noch mehr auf Melodien, ohne an Intensität und kompromissloser Schwere einzubüßen. Gleichzeitig wirkt das umgesetzte Konzept so in sich schlüssig, dass „The Coral Tombs“ schon fast den Charakter eines Soundtracks hat. AHAB malen mit ihren Stücken regelrechte Bilder und nehmen den Hörer mit auf die musikalische Reise in der Nautilus.



    Ahab - The Coral Tombs


    Quelle: https://www.metal.de/reviews/ahab-the-coral-tombs-469704/

  • Review: Ahab – The Coral Tombs

    Label: Napalm

    Veröffentlicht: 2023

    Spielart: Doom Metal



    Fragt man nach den wichtigsten Romanen mit nautischer Thematik, würden „Moby Dick“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ wohl mit amhäufigsten genannt. Umso verwunderlicher ist es, dass AHAB als führende Institution im „Nautic Doom Metal“ zwar auf Melvilles Werk ihre Karriere aufgebaut, sich aber erst jetzt – 18 Jahre und vier Alben später – dem Opus von Jules Verne angenommen haben. Acht volle Jahre nach ihrem letztem Werk „The Boats Of The Glen Carrig“ begeben sich die Heidelberger mit „The Coral Tombs“ endlich auf die Spuren von Kapitän Nemo und Professor Pierre Aronnax.


    Dessen Abstieg in die Tiefe ist dann auch gleich Titel und Thema des Openers, „Prof. Arronax‘ Descent Into The Vast Oceans“, der – man kann es nicht anders sagen – banduntypischer kaum sein könnte: Der brachiale Post-/Sludge-Metal-Einstieg im Stile von Bands wie Phantom Winter oder Ultha hat durchaus das Potenzial, langjährige Fans zu verunsichern, ob hier wirklich die Doom-Metaller AHAB zu hören sind – zumal das rohe Screaming zu diesem fulminanten Auftakt tatsächlich (auch) von Ultha-Fronter Chris Noir kommt. Brutaler und wilder hat man AHAB noch nicht gehört – da kann man Aronnax nur Seetüchtigkeit wünschen.


    Doch wie man sich den Abstieg in einem U-Boot so vorstellt, wird es unter den sturmgepeitschten Wogen schnell ruhig: Noch in diesem ersten Stück kehren AHAB alle Elemente in ihr Gegenteil – statt Doublebass gibt es sachte Becken, statt fieser Zerre Cleangitarre, statt Screaming getragenen Klargesang. Dass der Song irgendwann unvermittelt ausgefadet wird, wirkt etwas unbeholfen – und doch ist „Prof. Arronax‘ Descent Into The Vast Oceans“ ein erster Track, der großes verspricht.


    Tatsächlich bleibt es bei diesem einen wilden Aufbäumen, während AHAB über den Rest der insgesamt gut 60 minütigen Spielzeit eher das zu bieten haben, was Fans erwartet hätten: Düsteren Doom-Metal mit entschleunigtem Riffing, Slow-Motion-Drumming und dem bereits von den letzten Alben bekannten Wechselspiel aus melancholischem Klargesang und den vielleicht tiefsten Growls der Welt: Während die erste Albumhälfte eher die wuchtige Seite des AHABschen Dooms hervorkehrt, wagen sich die Heidelberger mit dem von Cleangitarren und Klargesang dominierten Titeltrack„A Coral Tomb“ in extrem ruhige Gefilde vor, ehe es über „Ægri Somnia“ langsam aber sicher dem finalen „Mælstrom“ entgegengeht. Der Song, in dem neben Daniel Droste auch Greg Chandler (Esoteric) zu hören ist, wird seinem Titel auch musikalisch gerecht: Unaufgeregt, aber auch unbezwingbar bringt er „The Coral Tombs“ wie schon „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu seinem unabwendbaren Ende.


    Anders als die ersten Takte glauben machen, bleiben sich AHAB auf ihrem fünften Album im Großen und Ganzen doch treu. Als größte Entwicklung gegenüber früheren Werken lässt sich festhalten, dass Daniel Droste mehr denn je seiner klare Stimme vertraut – und das völlig zu Recht, hebt das allein die Songs doch in Sachen Melodik und Melancholie auf ein ganz neues Level und sorgt dafür, dass „The Coral Tombs“ ohne Zweifel das vielseitigste Album der Nautic Doomer geworden ist. Wer düster-schlammigen Doom-Metal sucht, ist fraglos mit den Frühwerken des Quartetts besser beraten – allen anderen sei „The Coral Tombs“ dringend ans Herz gelegt.



    Quelle: https://www.metal1.info/metal-reviews/ahab-the-coral-tombs/