Dopingkontrolle im Krematorium

  • In Belgien ist der Radprofi Kevin van Impe zu einer Urinprobe aufgefordert worden. Das ist ja durchaus rechtmäßig, doch der Zeitpunkt war nicht gerade sensibel gewählt. Der Beamte suchte den Fahrer im Krematorium auf, wo dieser gerade die Einäscherung seines kurz nach der Geburt verstorbenen Sohnes arrangierte. Auch der Hinweis auf die besondere Situation veranlasste den Beamten zu keinerlei Mitleid, auch die Bitte doch in 2 Stunden wieder zu kommen, lehnte dieser ab, drohte gar mit einer 2jährigen Sperre. van Impe gab dann notgedrungen die Probe ab.


    Ist ja schön und gut, wenn jeder jederzeit kontrolliert werden kann - aber das geht dann doch zu weit, oder was meint ihr dazu?


    Der Artikel dazu: http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,541788,00.html

    :DD Offizielles INSIDE-Weichei, Keksschlafmonster und :miau:chens Werbär :DD


    War schon immer etwas anders als die Anderen

  • Finde ich nicht, da kann ich mir wesentlich intimere bzw. persönlichere Momente vorstellen. Das Gespräch mit dem Bestatter ist etwas Organisatorisches in einer tragischen Situation. Aber wenn er als Vater in dem Moment noch funktioniert, dann kann sich der Radprofi in ihm zumindest kurz entscheiden, ob er pinkelt oder halt auf die Konsequenzen pfeift. Zumal ich in solch einer Situation keine Konsequenzen erwarten würde. Nur darf es an genau an dieser Stelle der Dopingüberprüfung keine Ausnahme geben. Zumindest wenn man die ganze Anti-Doping-Bewegung im Leistungssport überhaupt ernst nimmt.

  • Quote

    Original von leocat
    Ich frag mich nur, ob 1 oder 2 h später zu prüfen wirklich so schlimm gewesen wäre...


    Müsste man einen Mediziner fragen, aber ich denke das die Zeit schon was ausmachen könnte. Aber generell sehe ich das so wie Gonzales, keine Ausnahmen wenn man die Kontrollen ernst nehmen soll. Sonst hat man hinterher einen Berg von Ausreden warum eine Kontrolle später gemacht werden muss.

  • Ich finde diese Herangehensweise bedenklich. Der Mann ist kein Verbrecher, sondern nur ein Sportler.


    Ich finde es zutiefst pietätlos einen Vater bei der Trauer um seinen Sohn wegen solcher Trivialitäten zu stören.


    -SCHEUCH-

  • Quote

    Original von Scheuch
    Ich finde es zutiefst pietätlos einen Vater bei der Trauer um seinen Sohn wegen solcher Trivialitäten zu stören.


    Pietätlos - ja. Vielleicht nicht felsenfest, aber doch - ja.
    Trivialität - eigentlich nein, immerhin hängt davon seine berufliche Zukunft ab und ist insofern schon ernst zu nehmen.


    Gruß
    Skywise

  • Bedenklich finde nur, dass der Doping-Fahnder wohl vorher um die Situation wusste, denn er hat ihn ja gezielt im Krematorium aufgesucht. Ich weiss nicht ob Doping-Fander in solchen Momenten einen Spielraum haben die Dopingkontrolle von sich aus zu verschieben. Falls nicht trifft den Doping-Fander keine schuld. Natürlich dürfen Ausnahmen nicht ausarten, aber es gibt einige wenige Situationen, wo man eine machen sollte. Ich kann die Empörung des Fahrers jedenfalls voll und ganz verstehen.