TV: Die Schiffbrüchigen

  • Die Schiffbrüchigen

    Deutschland, 2022

    ZDF, SO 11.12., 19:30 Uhr bis 20:15



    Details

    Der Film zeichnet die dramatische Geschichte von Schiffbrüchigen nach, die in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts auf den unwirtlichen, subpolaren Aucklandinseln strandeten. Innerhalb weniger Monate wurden zwei Bootscrews auf dieselbe Insel verschlagen, ohne einander zu bemerken. Während die Besatzung der „Grafton“ trotz der schwierigen Umstände überlebte, starben fast alle Schiffbrüchigen der „Invercauld“. Was war der Grund? 1872 kommt es in Paris zu einer denkwürdigen Begegnung: Auf Anregung seines Verlegers trifft sich der weltberühmte Schriftsteller Jules Verne mit seinem Landsmann François Raynal. Der Erfinder von „Kapitän Nemo“ ist in einer Schaffenskrise und sucht einen neuen, fesselnden Stoff. Und den kann François Raynal aus erster Hand bieten. Die Begegnung der beiden liefert die filmische Rahmenhandlung für die Geschichte von Raynal und seinen Gefährten, die es 1864 als Schiffbrüchige auf die Aucklandinseln verschlägt. Im dichten Seenebel erkennen die Männer zu spät, dass sie auf eine Steilküste zuhalten. Der Segler kentert auf einer Klippe und muss aufgegeben werden. Immerhin haben sie Glück im Unglück, dass sie in Ufernähe havariert sind. So können sie das Wrack ausschlachten und überlebenswichtige Dinge an Land retten. Ohne auf die vage Hoffnung zu vertrauen, von einem zufällig vorbeikommenden Schiff gerettet zu werden, beginnen sie, sich auf einen langen Aufenthalt einzurichten, bauen eine Behausung und stellen Regeln für ihr Zusammenleben auf, die von allen respektiert werden. Durch Einfallsreichtum und Kooperation gelingt es ihnen sogar, aus Teilen des Wracks ein seetüchtiges Boot zu bauen, das sie zurück nach Neuseeland trägt. Ganz anders verläuft das Schicksal der Mannschaft der „Invercauld“, die nur wenige Monate nach der „Grafton“ vor den Aucklandinseln auf Grund läuft. Auch das Schicksal dieser Schiffbrüchigen, die ihren Leidensgenossen auf der anderen Seite der Insel nie begegnen werden, ist durch den Bericht eines Überlebenden gut dokumentiert. Anders als die Männer der „Grafton“ steuern sie von Anfang an auf eine Katastrophe zu. Schon nach kurzer Zeit spaltet sich die Gruppe aufgrund von Streitigkeiten auf, was ihre Überlebenschancen minimiert. Ihre Gemeinschaft zerfällt zusehends. Das liegt nicht zuletzt am Versagen des Kapitäns, dem es an natürlicher Autorität, Willenskraft und Verantwortungsgefühl fehlt. Die Männer überlassen nicht nur Kranke und Verwundete ihrem Schicksal, sie verfallen sogar in Kannibalismus. Als ein zufällig vorbeikommendes Schiff die Gestrandeten nach Monaten entdeckt, sind von ursprünglich 28 Männern nur noch drei am Leben. Eine Laune des Schicksals hat die unwirtliche Inselgruppe am Rand der Welt zum Schauplatz unfreiwilliger Überlebensexperimente gemacht, zu einer zeitlosen Geschichte über menschliches Verhalten unter extremen Bedingungen. Dabei zeigt sich, dass Gemeinschaftssinn, solidarisches Handeln und Empathie am Ende der Schlüssel zum Überleben sind - und nicht egoistisches Verhalten, das nur kurzfristig Vorteile bringt. Das beweist auch ein drittes Unglück, das sich nur ein Jahr nach den geschilderten Ereignissen an demselben Ort abspielt. Die havarierte „General Grant“ hat australische Goldsucher und ihre Familien an Bord. Unter den wenigen Überlebenden des Schiffbruchs befindet sich diesmal sogar eine Frau. Wie den Männern der „Grafton“ gelingt es auch diesen Gestrandeten, eine solidarische Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. So schaffen sie es, mit den einzigen beiden trockenen Streichhölzern ein Feuer zu entzünden und während der nächsten 18 Monate nicht mehr ausgehen zu lassen. Sie bauen Behausungen, stellen sich Kleidung aus den Fellen erbeuteter Seehunde her und Werkzeuge aus Knochen. Am Ende werden auch sie von einem Schiff aufgespürt und gerettet. Um den Untergang der „General Grant“ rankt sich bis heute ein Geheimnis. Denn im Bauch des Schiffes befand sich eine tonnenschwere Goldladung, die aus Sicherheitsgründen als Messing deklariert war. Trotz vieler Versuche bis in die jüngste Zeit, den wertvollen Schatz zu finden, ruht er bis heute auf dem Meeresgrund. Raynals Abenteuer aber inspirieren Jules Verne zu seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“, in dem er der menschlichen Erfindungsgabe in der Not und der Kameradschaft ein Denkmal setzt.


    Hinweis

    Die Sendung ist ab Mittwoch, 7. Dezember 2022, um 10.00 Uhr in der ZDFmediathek verfügbar

    von: Jürgen Stumpfhaus

    1 weiterer Sendetermin:

    ZDF, SA 17.12. 02:15 Die Schiffbrüchigen


    Quelle: https://www.tvinfo.de/fernsehprogramm/1609983896

  • Klasse! Dem Buch Raynals hatte ich mich ja intensiv gewidmet (gibts auch einen Artikel in der Nautilus Nr. 21 ) und beim Dornbrunnen-Verlag ist es mit meiner Unterstützung neu herausgegeben worden.


    Hab mir den Film gleich mal runtergeladen und schau ich bei Gelegenheit.

    :seemann: :baer:


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    I love you, you love me, ja wo lawe ma denn hi??

  • Da der Film vorab schon zu streamen war in der ZDF Mediathek habe ich diesen nicht nur geschaut sondern auch für mich gesichert.


    Interessant war für mich vor allem der quasi parallel dazu stattgefundene Schiffbruch und der Schiffbruch kurze Zeit nach den Ereignissen, von denen hatte ich so (bewusst) keine Kenntnis.

    Was mir von Beginn an Zweifelhaft erschien und unsere Spezi Volker inzwischen bestätigt hat, dass ist die entworfene Rahmengeschichte, Verne habe Raynal in der Druckerei von Hetzels Ausgaben persönlich getroffen, worauf die ganze Doku-Sendung aufbaut. Zweifelhaft erschien mir dies v.a. weil Raynals Berichts-Roman nie bei Hetzel veröffentlicht wurde und mir auch sonst nichts dazu bekannt war. Darüber hinaus ist die (auch bei Wiki zu findende) Auslegung, Verne hätte Raynals Berichtsroman als Idee für die Geheimnisvolle Insel verwendet nicht sehr plausibel. Verne hat den Roman definitv gekannt, aber Elemente daraus in Zwei Jahre Ferien eingebaut, wie ich in der N 21 ausführte. Auch steckte Verne laut Volker 1872 in keiner Schaffenskrise und die Idee für die Geh. Insel gab es bereits seit 1865 .... In dieser Doku wurde also sehr wild fabuliert, und was Verne betrifft dürften die Inhalte kaum irgendeiner Tatsachen entsprechen.


    Aber auch was sonstige Inhalte betrifft habe ich teils meine Zweifel... denn so positiv, wie der Überlebenskampf der Überlebenden der Clifton darin dargestellt wird, liest sich der Roman Raynals nicht, und auch der doch reichlich identische Berichts-Roman des Kapitäns Musgrave (der logischerweise nicht viel von Raynals Berscheibungen abweichen kann) gibt dergleichen nicht her.

    Ja, die Schiffbrüchigen der Clifton haben sich organisiert und arrangiert und der Verweis im Film dahingehend ist sicher richtig. Aber zahlreiche im Film benannte Details sind mir aus der Lektüre v.a. von Raynal nicht in Erinnerung und erscheinen mir teilweise etwas unstimmig (ich müsste den Text wohl nochmal lesen und dann mit der Doku abgleichen...). (Allein schon, das in dem Film Raynal gegenüber Verne ohne einen weiteren Kommentar sagt man habe sich vor allem von Robbenfleisch ernährt, während er in dem Buch sehr deutlich seine Abscheu vor dieser Art Fleisch, dass sie tatsächlich gezwungen waren zu essen, wiederholt zum Ausdruck bringt. Hätte er Verne tatsächlich so getroffen wie dargestellt hätte er sicherlich an dieser Stelle seinen Ekel vor diesem Fleisch zum Ausdruck gebracht ...) Insofern habe ich auch Zweifel was die Bezüge auf die anderen beiden Schiffsunglücke betrifft. Mir scheint, hier hat man filmisch Tatsachen mit Interpretationen und zuschauerwirksamen Phantasien (Verne ...) vermischt um die Doku besonders interessant zu machen.

    :seemann: :baer:


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    Edited once, last by Bernhard ().

  • Ich habe mir, nachdem ich ein paar Tage hintereinander nicht zu Hause war, heute den Film in der Mediathek angesehen. Ich habe keine Kenntnis vom Buch Raynals und habe mir auch die obigen Rezenionen erst jetzt durchgelesen.

    Ich fand den Film sehr attraktiv. Dazu gehörte die melodramatische Umsetzung und die geschickten Darstellungen animierter Stiche, FX-Animationen und Landschaftsaufnahmen. Schon im Film kam mir die Geschichte um Verne sehr an den Haaren herbeigezogen vor. Gut fand ich dien Verne-Darsteller. Ich wollte jetzt gerade dem Jahreszahlen-Mix nachgehen, da las ich Bernhards Aussagen. Old Verne musste also mal wieder als Publikumsmagnet und Werbeträger für den Film herhalten (siehe auch das Originalzitat des ersten Beitrages). Eigentlich schade, bemüht sich doch der FIlm halbwegs dokumentarisch rüberzukommen.

    Wenn man die "Verne"-Abstriche und die sachlichen Ungenauigkeiten (von Bernhard erkannt) weglässt, bleibt es immer noch gut gemachte Unterhaltung. Und offenbar scheint es ja Leute zu animieren mal was darüber zu lesen und sich damit zu beschäftigen. Das ist doch auch ein gutes Ergebnis.

  • TERRA X: DIE SCHIFFBRÜCHIGEN

    Unglücksort stürzt Schiffe ins Verderben

    Kritik von Elisa Eberle


    Drei Schiffe gingen allein in den 1860-ern vor den Küsten der Aucklandinseln zu Bruch. Fotoquelle: ZDF / Jürgen Stumpfhaus


    Jules Verne ist fasziniert von der Geschichte, die ihm der Überlebende Francois Raynal erzählt. Fotoquelle: ZDF / Jürgen Stumpfhaus


    Der Besatzung der General Grant gelingt es durch Zusammenhalt und durch die Hinterlassenschaften früherer Schiffbrüchiger auf den Aucklandinseln zu überleben. Fotoquelle: ZDF / Jürgen Stumpfhaus


    Das Wrack der General Grant liegt samt der von ihm geladenen Menge Gold is heute auf dem Grund des Pazifiks. Fotoquelle: ZDF / Jürgen Stumpfhaus


    Die "Terra X"-Doku "Die Schiffbrüchigen erzählt das tragische Schicksal dreier Schiffs-Crews. Die Steilküsten der Aucklandinseln zeigten sich schon etliche Male als Unglücksort, an dem mehrere Schiffe kenterten. Binnen weniger Monate erlitten im Jahr 1864 gleich zwei Besatzungen auf derselben Insel Schiffbruch, sowie eine weitere Crew. Kannibalismus, unbändiger Überlebenswille und ein Goldschatz macht dies reale Geschichte so spannend.


    ZDF

    Terra X: Die Schiffbrüchigen

    DOKUMENTATION • 11.12.2022 • 19:30 UHR

    Es klingt wie ein fantasievoller Abenteuerroman und wurde doch vom realen Schicksal zweier unglücklicher Menschengruppen inspiriert: Im Jahr 1864 erleiden zwei Crews binnen weniger Monate auf derselben Insel Schiffbruch. Die Überlebenden begegnen sich nie und durchleiden ein völlig gegensätzliches Schicksal. Die ZDF-Dokumentation "Terra X: Die Schiffbrüchigen" von Jürgen Stumpfhaus erzählt die Geschichte dieser beiden sowie einer dritten Crew. Eine davon diente später sogar als Inspiration für den berühmten Roman "Die geheimnisvolle Insel" von Jules Verne.


    Überlebender berichtet Jules Verne die Geschichte

    Das erste der drei Unglücke ereignete sich im Januar 1864: Im dichten Nebel steuert das Segelschiff Grafton auf die Steilküste der Aucklandinseln zu. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse kann der Kapitän nicht mehr rechtzeitig reagieren, sodass das Schiff auf einer Klippe kentert. Die Überlebenden haben Glück: Dadurch, dass sich der Unglücksort in Ufernähe befindet, können sie überlebenswichtige Dinge aus dem Wrack bergen und an Land bringen. Sie beginnen ihren ungeplanten Aufenthalt zu organisieren: sie bauen eine Behausung und stellen Regeln für das Zusammenleben auf, die von allen eingehalten werden.


    Gemeinsam gelingt es ihnen sogar, aus den Wrackteilen ein neues Boot zu bauen, mit welchem sie schließlich nach 18 Monaten zurück nach Neuseeland reisen. Rund sieben Jahre später erzählt der Überlebende François Raynal seine Geschichte Jules Verne, der darauf basierend seinen Roman verfasst.


    Mysteriöses Feuer

    Die zweite Schiffscrew hat hingegen weniger Glück: Die "Invercauld" geht im Mai 1864 an den westlichen Klippen von Auckland Island zu Bruch. Da es dem Kapitän an natürlicher Autorität und Willenskraft geht, zerfällt die Gruppe der Überlebenden mehr und mehr in Streit. Kranke und Verwundete werden nicht versorgt, am Ende verfallen die Überlebenden gar dem Kannibalismus. Als ein vorbeikommendes Schiff sie letztlich zufällig entdeckt, leben nur noch drei der ursprünglich 28 Männer.


    Das wohl mysteriöseste Unglück ereignete sich jedoch im Mai 1866: Die General Grant hatte nicht nur Goldsucher und ihre Familien, sondern auch eine tonnenschwere Ladung Gold an Bord. Nach dem Schiffbruch konnten sich die wenigen Überlebenden, darunter eine Frau, an Land retten. Ähnlich wie die Besatzung der Grafton bauten sie Behausungen, stellten Kleidung und Werkzeuge aus dem Fell und den Knochen erbeuteter Seehunde her. Mithilfe zweier auf wundersame Weise trocken gebliebener Streichhölzer entfachten sie sogar ein Feuer, welches sie in den 18 Monaten während ihres Aufenthalts nicht ausgehen ließen. Letztlich wurde die Mannschaft gerettet, der Schatz jedoch ruht bis heute auf dem Meeresgrund.


    Quelle: https://www.prisma.de/news/tv/…tik-zur-ZDF-Doku,42658069